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Warum Hilfe sinnvoll bleibt

Eindrücke aus Sri Lanka: (Februar 2005)

« Den Tsunami-Überlebenden konnte konkret geholfen werden. Die Spenden bewirken viel Gutes. Die Hilfe wurde dankbar aufgenommen. »

 

 


Um Hilfe vor Ort in Gang zu setzen und zu organisieren, fuhren Marita Messmer und Carl-Heinz Beier, als Ehepaar ehrenamtlich, aber auch außerhalb der Tsunami-Hilfe "Tag und Nacht" für die CDH aktiv, nach Sri Lanka. Der Zufall wollte es, dass die beiden die Reise schon vor längerer Zeit geplant und gebucht hatten. Vor Ort konnten sie dank eines funktionierenden Netzwerkes sofort mit praktischer Arbeit beginnen.

 

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Ausnahmsweise sei in einer ernsten Angelegenheit einmal ein Humorist zitiert, Karl Valentin. Sein berühmter Satz "Kunst ist schön, macht aber auch Arbeit" darf unzweifelhaft zur Aussage umformuliert werden: "Helfen ist schön, macht aber auch Arbeit". Dass sie dennoch zufrieden stellt, befreit sie nicht von den tausenden kleineren Bedenken und Ärgernissen, von den Umdispositionen und Überraschungen, von der ständigen Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Carl-Heinz Beier trainiert es seit 25 Jahren und hat sich deshalb ein "dickes Fell" angelegt.

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Archäologen würden es wohl "Feldarbeit" nennen. Vor Ort, inmitten des Geschehen, Marita-Messmer-Beier mit ihrem "mobilen Büro". Geld für erste, spontane Hilfe, für Materialkauf, für Gebühren und Genehmigungen, für Projektabwicklung und Kauf notwendiger Dinge an Ort und Stelle. Und am Schluss des Tages muss die Kasse stimmen, die Buchhaltung geschrieben und Reports ausgefüllt werden. Vor den Erfolg haben die Götter halt auch beim Helfen den Formularkram gesetzt. So ist es nun mal.

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Überbleibsel: So sah es allerorten aus, als die Helfer vor Ort eintrafen. Was das Meer nicht weggeschwemmt hatte, war zu durchnässten, unbrauchbaren Klumpen zusammengelegt. "Aufräumen" gestaltet sich schwierig, es gibt keine Mülldeponien. Und den ärmeren Menschen fehlt das Geld, Lastwagen zum Transport anzuheuern. Der Staat kann bei der Menge der Schäden - hunderttausende kleiner Häuser sind betroffen - nicht überall und sofort zugleich Hilfe stellen und organisieren. Vieles muss zwangsläufig über längere Zeit liegen bleiben und erinnert an die Katastrophe. Vor allem schmerzt es bei jedem Anblick aufs Neue, wenn man wenig hat und es dann auch noch total verliert.

 

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Improvisation: In viele Gebiete, die ein wenig abseits der Straßen liegen, sind teilweise Hilfsorganisationen noch nicht vorgedrungen. Hier haben sich Menschen so gut es geht provisorisch eingerichtet. Mehr ist im Moment nicht drin, denn die meisten haben nicht einen Rupie Geld zur Verfügung. Sie müssen das nehmen, was sie in den Trümmern finden oder geschenkt bekommen.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Zeltlager: Auch "richtige" Zelte, die aus Spenden stammen, sind keine Lösung. In solch kleinen Zelten kann man sich der Temperatur wegen erst gar nicht aufhalten (über 30 Grad Außentemperatur, über 90 % Luftfeuchtigkeit). Und von einem "Leben" kann in diesen winzigen Kugeln wohl nicht die Rede sein. Sie sind allenfalls ein Schutz gegen Starkregen oder eine Art Aufbewahrungsschrank für die geretteten Habseligkeiten.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Zwischenlösung: Diese größeren Zelte sind eine bessere Zwischenlösung, aber eben nur eine Zwischenlösung. Sie werden teilweise auch errichtet, um den Anspruch auf das Grundstück nicht zu verlieren oder in der Zeit, da man sich neues baut, dem Bauplatz nahe zu sein. Doch solch "bessere" Zelte wurden eben auch nur in kleiner Zahl ins Land gebracht, sie stellen eine Ausnahme dar.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Unter Planen: Hunderttausenden ist gar nichts mehr geblieben. Die Hütten, oft aus Holz und Palmblättern, fort geschwommen, mit ihnen jeglicher Hausrat, alle Kleidung, Geld und Papiere, Kochtöpfe und persönliche Gegenstände. Wer dann auch noch über keinen eigenen Wohn- oder Bauplatz verfügt - dies sind die meisten - ist de fakto obdachlos, lebt unter freiem Himmel. Eine solche Plane sieht nach Schutz aus, ist es aber nicht wirklich. Denn bei Monsunregen kriecht die Feuchtigkeit extrem schnell vom Boden hoch und "zu Hause" kann sich hier kein Mensch fühlen. Es geht um die nackte Existenz, Menschen sind am Nullpunkt angelangt. In einigen solchen Fällen konnte die Ceylon-Direkthilfe noch an Ort und Stelle für Abhilfe sorgen. Eben nur in einigen, aber immerhin.

 

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Zuversicht: Obwohl in fast jeder Familie Todesopfer zu beklagen sind, blicken die Überlebenden inzwischen wieder mit einer gewissen Portion Optimismus in die Zukunft. Die schnelle Hilfe gibt ihnen den Mut, dass sie vielleicht auch weiterhin eine gewisse Förderung und Unterstützung bekommen können, die ihnen die Chance gibt, mit eigener Kraft den Neuanfang zu meistern.

Da es in Sir Lanka eine intensive Textilindustrie gibt und viele Kleiderspenden aus anderen asiatischen Ländern eintrafen, hat inzwischen fast jeder zumindest ein neues Kleid, Hemd, Rock oder entsprechendes Kleidungsstück erhalten. Aber viel mehr eben auch nicht.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) "Versalzen": Die Meereswelle ließ nicht nur Trümmer zurück, sondern eine andere tödlich Fracht: Salz. Das gesamte Unterholz, alles Blühende, ist inzwischen an der Versalzung abgestorben. Einzig die Palmen vertragen diese Salzdüngung - sie bekommt ihnen sogar optimal. Doch der Rest sieht aus wie nach einem trockenen Brand. Damit wieder etwas wächst, müsste der Boden großflächig ungefähr 40 cm abgetragen werden. Wer, wie, wann, womit ...?

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Typisch: Für die festen Steinbauten ist dieses Schadensbild typisch: Parterre zerstört, die oberen Etagen oft noch nutzbar, die Bausubstanz aber zum Teil ramponiert. Hier der Schulkonvent in Matara, in dem alleine um die 40 Todesopfer zu beklagen waren. Hier werden fast 1.500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, entsprechend ist die Anzahl der Räume - und entsprechend riesig der Bedarf an neuem Mobiliar und anderen Einrichtungen plus sofortige Reparatur, wo tragende Teile betroffen sind.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Wer wollte hier fliehen? Schon relativ hoch gelegen, haben die Mauern dennoch festgehalten, wie hoch das Wasser gestanden hat. Da es sich um eine teils morastartige Brühe aus Sand, Schlamm, Trümmern aller Art handelte, hatten nur vereinzelt die Menschen das Glück, schwimmend der Wucht auszuweichen - denn immerhin ist die Welle unmittelbar an Land noch rund 500 Stundenkilometer schnell gewesen. Es gab aber auch "Wunder": so wird berichtet, dass ein Ehepaar in ihrem Auto von den Wassermassen erfasst wurde und irgendwie plötzlich wieder "auf dem Trockenen" saßen. Nämlich auf dem Dach eines Autobusses. Sie haben überlebt.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Großes Lob: Es ist bewundernswert, mit welcher Tatkraft und Energie die meisten Ceylonesen daran gehen, die Schäden beseitigen und die Katastrophe überwinden zu wollen. Allein, Tatkraft alleine reicht nicht, es müssen Geldmittel vorhanden sein. Mit beredten Worten kann Sr. Sandamali, Leiterin des Convents in Matara konkret schildern, was jetzt als nächstes vonnöten wäre.

 

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) "Nägel mit Köpfen": Nach intensiver Prüfung und ausführlichen Gesprächen, doch ohne jegliche Verzögerung wurde in vielen Fällen "Nägel mit Köpfen" gemacht und die Finanzierung von kleinen, zweckmäßigen Häuschen für die betroffenen Familien arrangiert (plus Bauplätze gesichert, behördliche Genehmigungen eingeholt usw.). Unbürokratisch, aber mit allen notwendigen Formalien, so dass alle Spender absolut sicher sein können, dass die Spenden ganz in ihrem Sinne verwendet wurden.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Reale Situation: Für diese beinamputierte Frau wurde ebenfalls sofort ein überschaubarer, aber nützlicher Betrag zur Verfügung gestellt, der ihr ermöglicht, für ihren Sohn und sie selbst wieder eine Wohnraumsituation zu schaffen, mit der sie in der Lage ist, das Kind zur Schule zu schicken und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Symbolcharakter: Die Bahnlinie Colombo-Galle ist extrem wichtig für das Leben in der Südwestregion. Deren Reparatur hat Symbolcharakter: Das Land versucht, gemeinsam und schnell das normale Leben wieder ins rechte Gleis zu bringen.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Wir konnten helfen. Wir können weiterhin helfen: Die in der Ceylon-Direkthilfe zusammengefassten Erst-Aktivitäten haben real bereits Erfolg gezeigt: In extrem kurzer Zeit konnten Neubauten in Gang gesetzt werden und die ersten Häuser sind bereits so gut wie bezugsfertig. (Stand Ende Februar 2005). Die Begünstigen sind in jedem Falle verpflichtet, intensiv mitzuarbeiten bzw. den Bau alleine unter fachkundiger Anleitung zu errichten, was sie auch mit großem Eifer tun.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Bauplatzfrage: Das heikelste Problem war, ist und bleibt im Moment die Frage des geeigneten Bauplatzes für ein Haus. Denn wo alles zerstört ist, lassen sich oft keine Eigentumsverhältnisse mehr rekonstruieren und die Regierung drängt auf die Einhaltung einer Schutzzone am Stand, so wie es eine UN-Konvention vorsieht. Doch ein Versetzen ins "Hinterland" ist für die meisten, die vom Fischfang leben, eine extreme Erschwernis: wohin mit den Booten? Die können nicht einfach unbewacht am Strand zurückbleiben.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Gerechte Entscheidung? Wenn man sich entscheidet, einer Familie zu helfen, enttäuscht man mindestens 100 andere. Das ist nicht vermeidbar. Also werden strenge Kriterien angelegt, die ein gewisses Maß an Objektivität ermöglichen und ansonsten muss man bei den Entscheidungen der Intuition vertrauen - und dem Zufall Raum geben. Anders geht es nicht, wenn man nicht zum Schluss das Gegenteil von dem erreichen will, was man eigentlich vorhat. Der Vorteil privater Hilfsorganisationen ist eben, unkonventionell und mit "Herz" anstatt ausschließlich bürokratisch helfen zu wollen und zu können.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Landestypisch: Solche eher kleinen und bescheidenen Häuser sind landestypisch, aber letztendlich auch ausreichend, einer Familie ein Zuhause zu bieten. In der Hoffnung, dass sich eine solche Tsunami-Katastrophe nicht wiederholt, bieten sie durch ihre feste Bauweise über Jahrzehnte ausreichend Schutz gegen Regen und andere Witterungseinflüsse, vor allem aber auch einen gewissen Schutz, den sich jeder Mensch nun einmal als sein Zuhause erträumt - und auch seelisch braucht.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Material: Ist das Material erst einmal angeliefert, geht das Bauen relativ schnell. Mit Akkuratesse und Intensität bauen die zukünftigen Bewohner so, wie es ein erfahrener Maurer ihnen zeigt. .

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Dank an alle Spender: Allen, die spontan und deutlich geholfen haben, können wir zeigen und versichern: schaut her, was Eure Spenden erreicht haben. Nicht nur dieses eine, sondern dutzende von Häusern sind in Planung und Bau gegangen, zum Schluss werden es wohl erst einmal an die hundert sein. Und noch einmal gesagt: ohne, dass im nennenswerten Umfang Gelder für Verwaltung oder zweckfremd "abgezweigt" worden wäre. Die Hilfe kam vollständig im Land an.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) "Müssen es denn Häuser sein?" wird von manchen - auch Spendern - gefragt, wenn wir von den Wiederaufbauarbeiten erzählen. Die eindeutig Antwort: Ja.
Wie sonst soll man sich gegen das schützen, was hier eher durch Zufall von Carl-Heinz Beier fotografiert wurde, als sie auf Organisationstour unterwegs waren:
Am Horizont zieht ein  Unwetter über See heran und wird in den nächsten Minuten prasselnden Regen bringen. Die subtropischen Temperaturen führen zu extremen Situationen, wie hier einer nicht ungefährlichen, zerstörerischen Windhose (in den USA über Land Tornado genannt).
In der Vergrößerung sieht man, welchen Wettereinflüssen die Menschen in Sri Lanka ausgesetzt sind. In einem engen Wirbeltrichter saugen sich die Wolken voll Wasser, sie "schlürfen" es direkt aus dem Meer; nur, um die Wasserwucht Minuten später über Land wieder auszugießen.
Wer da kein festes Dach über dem Kopf hat, kann Probleme bekommen. Deshalb, unter anderem, sind feste Häuser unerlässlich, wenn man Menschen und Sachen einigermaßen schützen will.

 

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