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Impressionen
Christian Beier
auf Fotoreise in Sri Lanka
(Texte: Hans-Georg Wenke)
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Als Fotoredakteur hat der
engagierte Berufsfotograf im Solinger Tageblatt über spezielle "Bergische"
Hilfsmaßnahmen berichtet. Er war menschlich tief von den Kontrasten
beeindruckt: auf der einen Seite das Viele, das schon neu geschaffen, wieder
aufgebaut wurde. Und eben andererseits noch viel, viel zu viel, was noch
getan werden muss. "Ich bin davon überzeugt", sagt er, "dass die tiefe
Religiosität den Menschen hilft, mit ihrem Schicksal umzugehen." |
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Dankgebet am Abend. Religionsausübung ist für die meisten Sri Lanki keine
"Pflicht", schon gar nicht - ähnlich europäischem Kirchgang - einmal die
Woche. Gebet, Meditation, eine kleine Opfergabe gehören zu den
Alltagsritualen, sind so gesehen "in Fleisch und Blut übergegangen". Es
hilft, sich eines mentalen Beistandes bewusst zu sein und Mut zu schöpfen
auch in schwierigen Situationen. Es hat weniger mit Frömmigkeit und
Gottesglaube zu tun - den gibt es in der uns bekannten Form im Buddhismus
nicht -, sondern mit "Seelenhygiene" - sich selbst zum Nutzen.
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Es gibt
auf Sri Lanka eher weniger "Feiertage" als bei uns, dafür aber wesentlich
mehr "kleine Anlässe" zu Zeremonien und rituellen Veranstaltungen. Diese Art
zu leben gibt jedem Individuum, das daran teilnimmt, das bestimmte Gefühl,
sich in einem Umfeld zu befinden, das man einschätzen und auf das man sich
verlassen kann. Was vorteilhaft klingt, kann auch zum Nachteil werden: nach
unserem Verständnis ist der Konservatismus zuweilen zu unflexibel, um sich
Neuem anzupassen. Bleibt jedoch die Frage: muss es wirklich immer so sein,
wie wir uns das vorstellen - oder kann nicht eben das andere auch richtig
sein?
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Gleichwohl führt die Tradition auch zu einer Geduld, die von uns
hektik-getriebenen Europäern manchmal schwer zu ertragen ist. Was hier auf
den ersten Blick nach niedlicher Kinderszene aussieht, ist bittere Not:
Lagerleben. Hausen in Provisorien, die zum Teil über lange Zeit unverändert
blieben, käme nicht Hilfe von außen. Denn das Land baut zwar energisch auf,
aber die Mittel sind logischerweise beschränkt, knapp. Wir dürfen uns nicht
von Kulleraugen und niedlichem Püppchen-Effekt täuschen lassen: das sind
zwar fröhliche Kinder - aber ihre Zukunft ist ungewiss.
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Aufbauarbeit in Gemeinschaft. Alle fassen an. Maschinen gibt es keine. Doch
man hat Zeit - und Ausdauer! Das schafft Ergebnisse und Fortschritte, die
zwar mühsam, aber stetig erreicht werden. Mit einem Grad an Perfektion, den
wir mit unseren Maßstäben vorschnell kritisieren möchten, der aber den
Ansprüchen der Betroffenen vollkommen genügt. Es ist eines der "Geheimnisse"
der Arbeit der Ceylon-Direkthilfe, mit Einfühlungsvermögen und Takt genau
diese Ansprüche und Gewohnheiten kennen zu lernen - und zu respektieren !
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Überall
noch Spuren der Verwüstung, überall Mahnmale des Schreckens. Doch was in den
ersten Tagen nach der Tsunami-Katastrophe unmöglich oder als "wird noch
Jahre dauern" erschien, ist teilweise in erstaunlich kurzer Zeit geschehen.
So wurde die für das Land lebenswichtige Bahnlinie Colombo-Galle wieder
vollständig hergestellt. Doch eben (leider) dort, wo sie früher schon
verlief, teils direkt am Strand und damit erneut in der Gefährdungszone.
Aber wie hätte man es in der Schnelle der Zeit anders machen sollen?
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Fassungslosigkeit? Melancholie? Trauer? Was hier auf diesem Schnappschuss so
symbolisch erscheint, ist aber heute - Spätsommer 2005, ein
dreiviertel Jahr nach der Tsunami-Katastrophe - keineswegs Alltag und
symbolisch. Im Gegenteil. Die Menschen haben sich sehr schnell mit der
Situation arrangiert, was nicht gleichbedeutend mit abgefunden ist. Aber
Mentalität und Religion unterstützen, nicht großartig zu klagen und zu
lamentieren, sondern die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und aus
Eigeninitiative die Situation zu verbessern. Wenn man die Kraft dazu hat
oder finden kann. Also eher Nachdenklichkeit und Insichgekehrtsein?
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Das
Gesicht des Kindes sagt alles. Hier ist buchstäblich die Welt wieder in Ordnung. Diese
Familie konnte sich mit Hilfe der Ceylon-Direkthilfe das Heim neu errichten.
"Heim", Wohnung, Zuhause bedeutet in Sri Lanka traditionsgemäß fast immer
"Haus", denn Wohnungen in unserem Sinne (in Mehrfamilienhäuser) sind
praktisch unbekannt und völlig unüblich. Wir werten es als positives
Zeichen, dass der Wiederaufbau der Häuser nicht als lieblose "Hütte"
geschah, sondern sich die Familien liebevoll auch ums Detail gekümmert
haben. Die Seele will schließlich auch ihr Zuhause haben.
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Mahnmal, dass sich ein solches Ereignis jederzeit wiederholen könnte. Ein
Tsunami ist etwas "Normales", eine unausweichliche Reaktion auf die nie
aufhörenden Erdbeben, die sich aufgrund der physikalischen Natur unseres
Globus nun mal ständig ereignen. Sie geschehen jedoch nicht so oft, als dass
sie bisher die Siedlungs- und Lebensgewohnheiten in Küstennähe entscheidend
verändert hätten. Und so bleibt die Hoffnung, dass der nächste Tsunami erst
in ferner, ferner Zukunft erfolgt.
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Ein
Bild mit starkem Symbolcharakter. Kaum, dass die Schäden hätten beseitigt
werden können, ist das Neue schon fertig. Teilweise wurden die Schienen
komplett neu verlegt. Bilder mit solch verbogenen Gleisanlagen gingen vor
dreiviertel Jahr um die Welt und wurden zum Symbol für die Gewalt des
Wasser. |
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Leben
am Bahngleis - oder sogar auf den Gleisen. Wie anderswo auf der Welt ist es
auch in Sri Lanka für etliche Obdachlose die einzige Möglichkeit, weil sie
aus diesem "Niemandsland" keiner vertreibt. Die Zugfolge ist nicht so dicht,
als dass eine unmittelbare Gefahr bestünde und die Züge kündigen sich so
lautstark an, dass man routiniert ausweichen kann. Und so makaber es klingt:
die Waggons, die zum versenkten Sarg für viele Reisenden wurden, sind nun
ein neues Zuhause für Entwurzelte. Vielleicht für lange Zeit. Wer weiß. |
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Skepsis
oder Zuversicht? Beides sind Gefühle, die vielleicht im Wechsel stehen. Die
Religion des Buddhismus lehrt, mit Gefühlen umzugehen und sie - da wo sie
den Menschen bedrohen - zu überwinden und durch ein vernunftorientierte
Logik zu kontern. Freilich immer im Einklang, in Harmonie mit sich selbst
und der Natur. Buddhismus schreibt nichts vor, kennt in seinem wahren Grunde
keine Dogmen und "du musst"-Drohungen, sondern ist der Weg, zur Erkenntnis
zu gelangen, in dem man sich seiner selbst bewusst wird. Und damit
selbstbewusst wird. Ohne Stolz und Arroganz. Aber mit klarem Blick für das
Wesentliche.
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