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Impressionen

Christian Beier
auf Fotoreise in Sri Lanka

(Texte: Hans-Georg Wenke)

 

 

 

Als Fotoredakteur hat der engagierte Berufsfotograf im Solinger Tageblatt über spezielle "Bergische" Hilfsmaßnahmen berichtet. Er war menschlich tief von den Kontrasten beeindruckt: auf der einen Seite das Viele, das schon neu geschaffen, wieder aufgebaut wurde. Und eben andererseits noch viel, viel zu viel, was noch getan werden muss. "Ich bin davon überzeugt", sagt er, "dass die tiefe Religiosität den Menschen hilft, mit ihrem Schicksal umzugehen."

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Dankgebet am Abend. Religionsausübung ist für die meisten Sri Lanki keine "Pflicht", schon gar nicht - ähnlich europäischem Kirchgang - einmal die Woche. Gebet, Meditation, eine kleine Opfergabe gehören zu den Alltagsritualen, sind so gesehen "in Fleisch und Blut übergegangen". Es hilft, sich eines mentalen Beistandes bewusst zu sein und Mut zu schöpfen auch in schwierigen Situationen. Es hat weniger mit Frömmigkeit und Gottesglaube zu tun - den gibt es in der uns bekannten Form im Buddhismus nicht -, sondern mit "Seelenhygiene" - sich selbst zum Nutzen.

 

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Es gibt auf Sri Lanka eher weniger "Feiertage" als bei uns, dafür aber wesentlich mehr "kleine Anlässe" zu Zeremonien und rituellen Veranstaltungen. Diese Art zu leben gibt jedem Individuum, das daran teilnimmt, das bestimmte Gefühl, sich in einem Umfeld zu befinden, das man einschätzen und auf das man sich verlassen kann. Was vorteilhaft klingt, kann auch zum Nachteil werden: nach unserem Verständnis ist der Konservatismus zuweilen zu unflexibel, um sich Neuem anzupassen. Bleibt jedoch die Frage: muss es wirklich immer so sein, wie wir uns das vorstellen - oder kann nicht eben das andere auch richtig sein?

 

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Gleichwohl führt die Tradition auch zu einer Geduld, die von uns hektik-getriebenen Europäern manchmal schwer zu ertragen ist. Was hier auf den ersten Blick nach niedlicher Kinderszene aussieht, ist bittere Not: Lagerleben. Hausen in Provisorien, die zum Teil über lange Zeit unverändert blieben, käme nicht Hilfe von außen. Denn das Land baut zwar energisch auf, aber die Mittel sind logischerweise beschränkt, knapp. Wir dürfen uns nicht von Kulleraugen und niedlichem Püppchen-Effekt täuschen lassen: das sind zwar fröhliche  Kinder - aber ihre Zukunft ist ungewiss.

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Aufbauarbeit in Gemeinschaft. Alle fassen an. Maschinen gibt es keine. Doch man hat Zeit - und Ausdauer! Das schafft Ergebnisse und Fortschritte, die zwar mühsam, aber stetig erreicht werden. Mit einem Grad an Perfektion, den wir mit unseren Maßstäben vorschnell kritisieren möchten, der aber den Ansprüchen der Betroffenen vollkommen genügt. Es ist eines der "Geheimnisse" der Arbeit der Ceylon-Direkthilfe, mit Einfühlungsvermögen und Takt genau diese Ansprüche und Gewohnheiten kennen zu lernen - und zu respektieren !

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Überall noch Spuren der Verwüstung, überall Mahnmale des Schreckens. Doch was in den ersten Tagen nach der Tsunami-Katastrophe unmöglich oder als "wird noch Jahre dauern" erschien, ist teilweise in erstaunlich kurzer Zeit geschehen. So wurde die für das Land lebenswichtige Bahnlinie Colombo-Galle wieder vollständig hergestellt. Doch eben (leider) dort, wo sie früher schon verlief, teils direkt am Strand und damit erneut in der Gefährdungszone. Aber wie hätte man es in der Schnelle der Zeit anders machen sollen?

 

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Fassungslosigkeit? Melancholie? Trauer? Was hier auf diesem Schnappschuss so symbolisch erscheint, ist aber heute - Spätsommer 2005, ein  dreiviertel Jahr nach der Tsunami-Katastrophe - keineswegs Alltag und symbolisch. Im Gegenteil. Die Menschen haben sich sehr schnell mit der Situation arrangiert, was nicht gleichbedeutend mit abgefunden ist. Aber Mentalität und Religion unterstützen, nicht großartig zu klagen und zu lamentieren, sondern die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und aus Eigeninitiative die Situation zu verbessern. Wenn man die Kraft dazu hat oder finden kann. Also eher Nachdenklichkeit und  Insichgekehrtsein?

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Das Gesicht des Kindes sagt alles. Hier ist buchstäblich die Welt wieder in Ordnung. Diese Familie konnte sich mit Hilfe der Ceylon-Direkthilfe das Heim neu errichten. "Heim", Wohnung, Zuhause bedeutet in Sri Lanka traditionsgemäß fast immer "Haus", denn Wohnungen in unserem Sinne (in Mehrfamilienhäuser) sind praktisch unbekannt und völlig unüblich. Wir werten es als positives Zeichen, dass der Wiederaufbau der Häuser nicht als lieblose "Hütte" geschah, sondern sich die Familien liebevoll auch ums Detail gekümmert haben. Die Seele will schließlich auch ihr Zuhause haben.

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Mahnmal, dass sich ein solches Ereignis jederzeit wiederholen könnte. Ein Tsunami ist etwas "Normales", eine unausweichliche Reaktion auf die nie aufhörenden Erdbeben, die sich aufgrund der physikalischen Natur unseres Globus nun mal ständig ereignen. Sie geschehen jedoch nicht so oft, als dass sie bisher die Siedlungs- und Lebensgewohnheiten in Küstennähe entscheidend verändert hätten. Und so bleibt die Hoffnung, dass der nächste Tsunami erst in ferner, ferner Zukunft erfolgt.

 

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Ein Bild mit starkem Symbolcharakter. Kaum, dass die Schäden hätten beseitigt werden können, ist das Neue schon fertig. Teilweise wurden die Schienen komplett neu verlegt. Bilder mit solch verbogenen Gleisanlagen gingen vor dreiviertel Jahr um die Welt und wurden zum Symbol für die Gewalt des Wasser.

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Leben am Bahngleis - oder sogar auf den Gleisen. Wie anderswo auf der Welt ist es auch in Sri Lanka für etliche Obdachlose die einzige Möglichkeit, weil sie aus diesem "Niemandsland" keiner vertreibt. Die Zugfolge ist nicht so dicht, als dass eine unmittelbare Gefahr bestünde und die Züge kündigen sich so lautstark an, dass man routiniert ausweichen kann. Und so makaber es klingt: die Waggons, die zum versenkten Sarg für viele Reisenden wurden, sind nun ein neues Zuhause für Entwurzelte. Vielleicht für lange Zeit. Wer weiß.

 

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Skepsis oder Zuversicht? Beides sind Gefühle, die vielleicht im Wechsel stehen. Die Religion des Buddhismus lehrt, mit Gefühlen umzugehen und sie - da wo sie den Menschen bedrohen - zu überwinden und durch ein vernunftorientierte Logik zu kontern. Freilich immer im Einklang, in Harmonie mit sich selbst und der Natur. Buddhismus schreibt nichts vor, kennt in seinem wahren Grunde keine Dogmen und "du musst"-Drohungen, sondern ist der Weg, zur Erkenntnis zu gelangen, in dem man sich seiner selbst bewusst wird. Und damit selbstbewusst wird. Ohne Stolz und Arroganz. Aber mit klarem Blick für das Wesentliche.

 

 

       
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