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Ingo Sommer's Aktivitäten sind eine private, spontane Initiative. Motiviert
durch familiäre Beziehungen nach Sri Lanka. Seine Schwägerin ist mit einem
Sri Lanker verheiratet. Daher kennen er und seine Frau das Land gut. Seine
ceylonesischen Verwandten leben überwiegend im am schwersten betroffenen
Gebiet, dem Süden der Insel.
Mit der ersten Hilfe ist die Not gelindert,
das Desaster jedoch noch nicht vorbei. Daher seine intensive Bitte:
«
► Aufgrund der aktuellen
Situation erneuere ich meinen Spendenaufruf, um auch langfristige Hilfe zu
ermöglichen.
Langfristig für alle, die eventuell irgendwann ein Dach über dem Kopf haben,
aber weder Bett noch Tisch oder Stuhl und schon gar keine Einrichtung, um
darin zu leben.
Bitte unterstützen Sie die Menschen in Sri Lanka über meine weitergehenden
Aktivitäten.
Spendenkonto: 5957287, BLZ 330 500 00,
Stadtsparkasse Wuppertal
Bitte unbedingt Stichwort "Hilfe für Koggala" und Namen angeben.
»
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Alle Fotos: Ingo Sommer

Zwischen
beiden Tagen, dem vernichtenden Tsunami und der Rückkehr in ein halbwegs
normales Leben liegen nur wenige Wochen. Dies wurde möglich durch die
beispiellose Spendenbereitschaft, die es unter anderem in Deutschland
gegeben hat. DANKE:
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Teil 1
des Berichts
Fotoserie
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Der Tag,
an dem das Land zur Wasserhölle wurde, hat sich tief in das Bewusstsein von
Schulkindern eingeprägt. Sie verarbeiten die Erinnerungen auf ihre Art und
und Weise. In Bildern, die in ihrer Deutlichkeit erschütternd sind. Ein
Albtraum, |
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Hilfe ist gut. Bürokratie Realität. Und dennoch gibt es Lichtblicke. |
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Am Nachmittag besuche ich
mit meiner Schwägerin Christine Herrn Lehmann, einen Unternehmer aus der
Textilbranche in Wuppertal. Er hat aufgrund des Artikels in der WZ über mein
Engagement in Sri Lanka Kontakt mit meiner Frau aufgenommen und sich dann
hier bei uns gemeldet. Wir fahren mit dem Tuk-Tuk nach Ahangama. Dort hat
Herr Lehmann 17 Jahre gelebt, ist dann aber aus gesundheitlichen Gründen vor
zwei Jahren wieder zurück nach Deutschland gezogen. Aufgrund der Katastrophe
ist er wieder zurückgekehrt und versucht ebenfalls zu helfen. Wir tauschen
in seinem sehr schönen Haus, das in einem gepflegten ca. 3500 m² großen
Grundstück liegt, die bisher gemachten Erfahrungen aus und stellen gemeinsam
fest, dass es wirklich nur durch persönliches Engagement vor Ort möglich
ist, gezielt schnell den armen Menschen zu helfen, da die Organisationen
sich schon wieder im Dschungel der Bürokratie verfangen haben. Er hat für
einige Tage eine deutsche Hilfsorganisation auf seinem Grundstück im
Gästehaus bewirtet und sich ein Bild von den zurzeit ablaufenden
Behinderungen der diversen Hilfsorganisationen machen können, deren
Aktivitäten bisher weder in den einzelnen Distrikten und schon gar nicht
landesweit koordiniert werden können. Es finden zwar wöchentlich große
Sitzungen in Colombo statt, aber der Weg in die "Provinz" ist weit und
schwierig. Außerdem gibt es aus unserer Sicht anscheinend schon einen
Prestigekampf um die schönsten und größten Projekte. Wer baut zuerst die
größte Siedlung und das schönste Waisenhaus oder das größte Krankenhaus?
Dies alles ist zwar langfristig wichtig, aber was haben die Menschen davon,
die im Moment im Dreck leben und kein Dach über dem Kopf haben? Herr Lehmann
hat direkt an der Hauptstraße in Ahangama, an der auch jeden Tag
Hilfsorganisationen vorbeifahren, unmittelbar neben einer Behelfsbrücke
lebende Menschen vorgefunden, deren Dorf durch den Bau der Hilfsbrücke fast
unter Wasser steht, da dieses durch die Aufschüttungen nicht mehr abfließen
kann. Entsprechend wird es nicht mehr ausgetauscht und es bilden sich
Gerüche und Moskitos, was wiederum für die Kinder sehr gefährlich ist. Viele
Bewohner sind durch den Tsunami verletzt und haben offene Wunden, die sich
entzündet haben. Zur Ersthilfe hat er den Menschen erklärt, wo sie kostenlos
Medizin bekommen können und ihnen dann Werkzeug gekauft, mit dem sie erst
einmal einen provisorischen Ablauf gegraben haben. Er versucht gerade, über
die Behörde den Einsatz von schwerem Gerät zu organisieren. Insgesamt hält
er jedoch weder von diesen noch von den Hilfsorganisationen sehr viel. Er
hat auch noch Kontakt mit einer Schule aufgenommen und will für diese eine
Überdachung der Sportplatztribüne spenden.
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Der Tod macht keinen Unterschied |
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Ich sehe einen kleinen mit Haussteinen umfassten
Steinhügel, der mit einer Flasche, in der sich eine Blume befindet, verziert
ist und frage, ob dies ein Grab sei. Herr Chaminda bejaht, dort habe er
seinen Vater und das drei Monate alte Baby seines Bruders beerdigt. Die
Gefasstheit, mit der er das sagt, und sein trauriger Gesichtsausdruck machen
mich mehr betroffen als alles andere. Wir nehmen alle notwendigen Daten auf
und verabschieden uns von ihm.
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Blumen
für ein Grab. Viele der Schulkinder haben Geschwister, Verwandte, Freunde
verloren. Einige auch Eltern, Großeltern. Kaum eine Familie im Süden von Sri
Lanka, die nicht Tote zu beklagen hat. Manche davon nicht nur einen, nein
fünf, zehn - oder mehr sogar. Das soziale Leben, die familiären Strukturen
sind auf die gesamte nächste Generation hinaus verändert. Wie nach einem
tragischen, vernichtenden Krieg.
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Kompliziert |
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Danach besuchen wir
weitere Familien in Kathaluwa und Ahangama sowie in Kabalana, die alle ihre
jeweiligen Toten oder schwer Verletzte zu beklagen haben. Wir versuchen, die
auszusuchen, bei denen wir davon ausgehen können, dass die Hilfe hier auch
langfristig Sinn macht, und der Aufbau der Familien auch zukünftig weiter
begleitet werden kann. Zum Beispiel die Familie von Herr B. Darmadasa, sie
hat mit fünf Personen die notwendige Anzahl an Familienmitgliedern. Das
Grundstück liegt 112 Meter von der Küste entfernt und der Hausherr geht
regelmäßig zur Arbeit. Er ist Stelzenfischer und verdient entsprechend wenig
Geld, um damit das Leben seiner Familie zu bestreiten und seine Kinder zur
Schule schicken zu können. Sein Grundstück ist vollständig aufgeräumt, aber
er besitzt nur eine Grundstücknutzungsgenehmigung. Diese ist zwar laut den
noch vorhandenen Unterlagen von einem Notar beglaubigt, allerdings muss
geprüft werden ob hier eine Regelung mit dem Eigentümer für die Bebauung
möglich ist, die ausschließlich Herrn Darmadasa und seiner Familie das
dauerhafte Nutzungsrecht für das neue Haus möglich macht und verhindert,
dass der Grundstücksbesitzer ihnen nicht eines Tages das fertige Haus
streitig macht.
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Politik - und kein Ende der Diskussion |
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Man kann gar nicht
glauben wie schwierig es ist, in all diesem Chaos hier, bei all den
zerstörten Häusern, den Menschen helfen zu können, da wir solche und
ähnliche Bedingungen an vielen Stellen antreffen. Viele Menschen lebten in
Häusern, die ihnen nicht gehörten, sondern ihnen überlassen oder geschenkt
wurden oder auf Grundstücken, die ihnen nicht gehörten, sondern ihnen zur
Verfügung gestellt wurden. Viele lebten auf überhaupt nicht registrierten
Flächen, ohne irgendeine Genehmigung in selbstgebauten "Häusern". Die
meisten trifft es aber doppelt hart aufgrund der 100 Meter Grenze, die
eingehalten werden soll. Dies ist heute auch noch einmal im Fernsehen von
der Präsidentin bekräftigt worden. Sie will alle schwarz hoch gezogenen
Bauten in dieser Zone wieder abreißen lassen. In exponierten Lagen sogar bis
300 Meter. Prinzipiell ist diese Entscheidung richtig, sie beinhaltet jedoch
eine langfristige Verzögerung des Wiederaufbaus, da sich die politischen
Parteien im Moment zwar grundsätzlich einig sind, dass der seit 1984
bestehende Erlass eingehalten werden soll, aber viele der Politiker gerne
Ausnahmeregelungen für große Hotels in Kraft setzen wollen, von denen ihnen
zufällig das eine oder das andere oder mehrere gehören. So vertritt in einer
Fernsehdiskussion ein tamilischer Politiker der kommunistischen (roten)
Partei den Standpunkt, dass an der Südküste die 100 Meter Grenze keinen Sinn
macht (dort gehören ihm zwei Hotelanlagen), für die Gegend um Jaffna ist er
allerdings sogar für einen 600 Meter Streifen mit Ausnahmegenehmigung für
Hotels (so kämen er und andere wahrscheinlich preiswert an "freie"
enteignete Grundstücke). Da dies und vieles andere den Menschen teilweise
bekannt ist, wächst momentan die Spannung in der Bevölkerung stark an. Es
gibt viele wilde Demonstrationen. Vor allem wird diese Diskussion ja auf dem
Rücken der Betroffenen ausgetragen, die aktuell keine richtige Unterkunft
haben und vor allem kein Geld. Hierzu kommen dann die ausländischen Projekte
für Mehrfamilien-Reihenhäuser, die in diesem Zusammenhang für die Regierung
natürlich ein interessantes Sparpotential enthalten, jedoch an der
Mentalität und der Realität weit vorbei gehen. Hier wird viel diskutiert und
nichts geschafft. Trotz allen Widrigkeiten haben wir am Nachmittag vier
Familien zusammen, bei denen alle Rahmenbedingungen zutreffen. Weiterhin
treffe ich bei dieser Suche immer wieder auf Menschen innerhalb des 100
Meter Streifens, die von der Welle am meistens betroffen sind und kann ihnen
mit Geldspenden helfen. Da ich in Begleitung von zwei Einheimischen
unterwegs bin, kann ich dies auch so regeln, dass kein Auflauf entsteht.
Aufgrund der Hitze und der offenen Flächen ohne Schatten ist dieser Tag sehr
anstrengend.
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Das geht
unter die Haut: Kinder müssen ansehen, wie Menschen hilflos in den
Wassermassen treiben und vielleicht gerade noch das Glück haben, durch
Hubschrauber geborgen zu werden - oder eben auch nicht mehr lebend. Wie
werden Kinder solche Horroszenen jemals wieder vergessen können? Wie wird es
ihr Leben prägen? Wir alle wissen es nicht. Um so größer ist die moralische
Pflicht, alles zu tun, damit diese Bilder nicht das Positive und die
Zuversicht überdecken, mit dem Kinder normalerweise ins Leben gehen.
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Zaun als Schutz |
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Trotzdem nehmen wir uns
noch Zeit für drei Fischer, die mich um Hilfe bitten. Es sind
Außenküstenfischer, die ein Motorboot benötigen. Ich frage sie, was denn so
ein Boot kosten würde. Gebraucht ca. 100 Tsd. Rupies sagen sie, das sind ca.
800,- €. Wo kann man denn im Moment ein gebrauchtes Boot kaufen, frage ich,
und bekomme "in Negombo" zur Antwort. Das liegt aus unserer Sicht noch
nördlich hinter Colombo, also mehr als sechs Stunden Autofahrt entfernt. Da
vorher zwei von ihnen jeweils ein Boot besessen haben, frage ich sie erst
einmal, ob sie bereit wären, sich zu Dritt ein Boot zu teilen, damit nicht
nur einer etwas von der Hilfe hätte und ob sie das beim Sekretariat
unterschreiben würden. Sie beraten sich kurz und stimmen dem zu. Ich bitte
sie darum, ohne mich die Verfügbarkeit eines passenden Bootes zu prüfen,
damit der Preis nicht nach oben geht und vereinbare einen Termin am
kommenden Mittwoch mit ihnen.
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An der Schule sehe ich, dass die Arbeiten zügig
voran gehen. Auf gut 200 Meter Länge stehen schon die Zaunpfähle, die aus
Kunststoffrohren bestehen, in denen sich jeweils zwei 1,5 Meter lange und 10
mm starke Eisen befinden die bis in das Fundament reichen. Die Rohre werden
nach Einbringung der Zaunbefestigung mit Beton verfüllt. Das ganze wird ohne
Wasserwaage verarbeitet. Man stellt hier alles nach dem Auge. Aber ich
finde, dass es ziemlich gerade wirkt. Auf dem Schulgelände spielen Kinder
Kricket und schon fliegt ein Ball am Ziel vorbei auf die Straße, und ein
Kind läuft hinterher. Einer der Bausarbeiter hält es auf und fest, der
andere gibt ihm den Ball zurück. Es wird wirklich Zeit, dass hier "dicht"
gemacht wird. |
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Anderen geholfen, obwohl selbst in Not |
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Heute Nachmittag fahren
wir nach Matara, die Stadt befindet sich etwa 35 KM weiter die Küste
herunter. Auf dem Weg dorthin sehen wir erste fertige Außenmauern und
Baustellen von Hotels, ansonsten aber nichts anderes als Zerstörung und
Armut. Der Verkehr ist wie immer abenteuerlich. Zum Glück haben wir aufgrund
der Länge der Strecke ein geschlossenes Auto mieten können. Ich habe zwei
Briefe mitgenommen, die mir Herr Meier aus Remscheid mitgegeben hat. Er und
seine Frau haben in Matara den Tsunami selbst mit- und überlebt. Er wurde
relativ "leicht" verletzt, seine Frau hat sich jedoch starke Schnittwunden
an einem Aquarium zugezogen hat, das durch die Welle zerbrach. Sie haben in
einem Hotel unmittelbar am Strand gewohnt, das sehr stark vom Tsunami
beschädigt wurde. Die Besitzer haben sich sehr um Familie Meier gekümmert
und, trotz der eigenen Not, sofort eine Unterkunft für sie besorgt. Auch
dort sind die Beiden liebevoll gepflegt und behandelt worden. Diese starken
Eindrücke haben die Meiers in so positiver Erinnerung, dass sie den
Hotelinhabern helfen wollen. Dieses Hilfsangebot habe ich dabei und will es
dort abgeben. Ich mache dort einige Fotos und übergebe die Briefe. Das Hotel
am Strand befindet sich im Wiederaufbau. Die Außenmauer des Grundstücks ist
wieder aufgebaut und innere Schäden werden gerade beseitigt.
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Apokalypse |
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Wir fahren weiter nach
Dondra, der südlichsten Spitze mit dem dort stehenden Leuchtturm. Der Weg
führt über Matara, vorbei an der Universität von Ruhuna mit ihren großen
Gebäuden in wunderschöner Lage. Die Universität liegt zum Glück weit genug
im Inland und auf einer Anhöhe, so dass sie nicht in Mitleidenschaft gezogen
wurde. In Dondra, auf der dem Leuchtturm gegenüber liegenden Seite, ist
nichts passiert, da die Felsen dort mehr als 15 Meter über dem Meer liegen.
Die Bewohner berichten uns, dass das ganze Hafenbecken leer war und die
Fische auf dem trockenen Boden nach Luft geschnappt haben. Das Wasser hat
sich über 800 Meter weit zurückgezogen, dann ist es mit großer Wucht und
sehr schnell in den Hafen zurück gelaufen. Sie hier oben auf dem Felsen
haben Glück gehabt, die unten liegenden Fischerdörfer sind zerstört. Es gab
viele Tote. Heute sieht es dort so schön aus, dass es unwirklich erscheint,
was hier passiert ist.
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Bäume
stürzen, Häuser zerbrechen – Menschen ertrinken !
Man
darf nie vergessen, die Hilfe, die nun geleistet wird, ist nicht die sonst
übliche "Entwicklungshilfe" für ärmere Ländern oder Menschen ohne Chancen,
wie wir sie in den Industriestaaten fast schon als Menschenrecht ansehen.
Nein, die Hilfe, die nun zu leisten ist, ist für Menschen, die mehr erleben
mussten, als manche Seele, vor allem Kinderseele, überhaupt verkraften kann.
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Deutsch, daher schwierig |
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Wir
fahren über Matara zurück und halten kurz in Merisse an, dort befindet sich
ein Gästehaus, in dem wir voriges Jahr oft gebadet haben. Es steht nicht
mehr viel und alles ringsum ist auch zerstört. Die ehemalige Windmauer zum
Strand liegt sauber aufgeschichtet in Einzelteilen da. Wenn man sich
vorstellt, dass die Leute hier jetzt seit einem Monat aufgeräumt haben, kann
man sich in etwa vorstellen, wie es hier direkt nach dem Tsunami ausgesehen
haben muss. Am traurigsten sieht es an der ehemaligen Bar aus, dort hängt
noch der Wunsch zu „Frohe Weihnachten“ und wirkt fast unheimlich.
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Wir fahren über Galle
einen Bogen zurück nach Hause, da wir beim THW vorbeifahren wollen, um dort
Brunnenproben abzugeben. Im Hafen wird gerade ein Frachter geborgen, der
mitten im Becken lag, und die Pumpen sprühen einen riesigen Wasserstrahl aus
dem Schiff. Beim THW angekommen, treffen wir auf das ein wenig typisch
deutsche Verhalten, dass meinen Schwager auch sofort auf dem falschen Fuß
erwischt, da er so etwas nicht versteht. Auf meine Frage nach der
Möglichkeit einer Prüfung der von uns mitgebrachten Probe auf
Brunnenwasserqualität ist die erste Frage, ob dies Privatbrunnen seien oder
öffentliche. Als ich mit Privatbrunnen antworte, erhalte ich die genervte
Antwort, dass man dies nicht gerne tun wolle, da ansonsten ja alle kommen
könnten. Ich beruhige erst einmal Ananda, der nicht versteht, dass unser
Anliegen abgelehnt wird, zumal im Umkreis kein Einheimischer zu sehen ist,
der auch eine Probe dabei hat. Also warum helfe der Mann nicht, der doch als
Helfer ins Land gekommen sei? Jetzt erhalten wir das Angebot, mit den Proben
nach Hikkaduwa zu fahren, da sich dort das Laboratorium befinde. Ich bedanke
mich und wir fahren auf dem Rückweg in Habaraduwa bei den Österreichern
vorbei, geben dort unsere Proben ab und werden gebeten, am Freitag das
Ergebnis abzuholen.
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Dank an Wuppertal und Remscheid |
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Heute fahre ich mit
Ananda nach Galle, um seinen Sohn und die Kinder seiner Schwester zur Schule
und zum Kindergarten zu bringen. Die Fahrt durch Galle ist chaotisch. Hier
sind mehrere tausend Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bus, Motorrad
oder einem Auto unterwegs. Wäre der Tsunami an einem Wochentag gekommen,
dann wären hier weit mehr als 4200 Menschen gestorben. Alle Busse sind
vollständig überfüllt. Hier geht es zu wie in einem Bienenstock. Auf dem
Rückweg sind wir froh, wieder aus der Stadt heraus zu sein. Wir fahren zum
Fischereihafen, in der Hoffnung, dort frischen Fisch zu bekommen, den wir in
den letzten Wochen nicht bekommen konnten, da viele Fischer entweder kein
Boot mehr haben oder Angst davor, wieder aufs Meer zu segeln. Die großen
Schiffe, die mehrere Tage draußen bleiben können, sind immer noch nicht
funktionstüchtig. Wir haben also kein Glück hier. Auf dem Rückweg sehen wir
einen Fischverkäufer auf seinem Fahrrad und halten ihn direkt an. Er
verkauft tatsächlich frischen Fisch, den er heute Morgen in Ahangama
bekommen konnte. Wir kaufen ihm drei Butterfische und einen großen
Springfisch ab, ca. 5 KG für 520 Rps. also ca. 4,20 € und spenden noch
einmal dieselbe Menge für die herbeigekommenen Anwohner, die uns beim Kauf
hungrig zugeschaut haben.
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Zum Sekretariat fahre ich
mit Herrn Kirthi. Wir benötigen von dort Unterlagen und noch einmal eine
Unterstützung durch den technischen Assistenten Herrn Widane (endlich kennen
wir seinen Namen), um mit den Familien, denen wir helfen wollen, die
Unterlagen für die Baugenehmigung vorzubereiten. Auf dem Sekretariat ist es
sehr voll, aber wir können die schon vorbereiteten Papiere sofort mitnehmen.
Allerdings ist Herr Widane nicht hier, wird uns mitgeteilt, sondern in einem
Fischerdorf vor Kabalane. Wir fahren dorthin und versuchen, ihn dort zu
finden. Das erweist sich als sehr schwierig, da in diesem Chaos keiner weiß,
wo er ist. Wir gehen deshalb durch das völlig zerstörte Dorf und bahnen uns
den Weg durch die Trümmer, um zu einzelnen Häusern zu gelangen. Hier standen
einmal 89 Häuser, wie ich von einem Herrn erfahre, der mich freundlich
anspricht und mich fragt, was ich hier mache. Ich erkläre es ihm, und er
stellt sich mir als Mitglied des Lions Club international vor. Er erzählt
mir, dass der Lions Club 1995 den Bau der 89 Häuser gespendet hatte, um den
Aufbau des Dorfes voran zu treiben. Nun sei man wieder hier und wolle jetzt
eben noch einmal von vorne anfangen. Ich sage ihm, dass ich das gut finde
und leider mit meiner privaten Initiative nicht in solch einem Umfang helfen
kann. Er wischt das mit einer Handbewegung auf Seite und bedankt sich bei
mir. Er bittet mich, allen Spendern aus Wuppertal und Remscheid für die
Unterstützung seiner Landsleute zu danken. Er fände das einfach toll, dass
so viele Menschen in Deutschland für seine Landsleute Geld spenden würden.
Und dieses dann direkt und unkompliziert als Hilfe vor Ort zu bringen, wäre
noch besser, denn schnelle Hilfe könnten hier ja alle gebrauchen. Während
des Gesprächs findet uns durch Zufall Herr Widane, so dass wir uns
verabschieden und weiter nach Kathalugoda fahren. Dort treffen wir Herrn
Jinadasa, der für den Bau eines Hauses in Frage kommt und sprechen mit ihm
die Unterlagen und Papiere durch. Er muss auch noch eine beglaubigte Kopie
der Besitzurkunde in Galle anfertigen lassen, wie wir feststellen. Wir
bitten ihn bis zum kommenden Samstag alles vorzubereiten, da es dann einen
Termin für die Baugenehmigungen in Habaraduwa gebe, zu dem diese Unterlagen
bereit liegen müssten. Er versichert, sich noch heute auf den Weg zu machen.
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Keineswegs ausgebootet |
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Am Nachmittag haben wir ein Gespräch mit den
drei Fischern aus dem Ort Kabalane, die bereit sind, eine
Dreier-Gemeinschaft zu bilden. Sie haben tatsächlich in Negombo ein, wie sie
sagen, akzeptables Boot mit Motor zu einem akzeptablen Preis gefunden haben.
Sie sprechen von 95.000 Rps. zzgl Transport (ca. 950,00 €). Ich sage zu, und
wir schicken am kommenden Morgen Mahesh, einen Mitarbeiter meines Schwagers
mit ihnen nach Negombo, damit dieser den Kauf durchführt und erst einmal die
Papiere in Gewahrsam nimmt, bis wir mit den Dreien einen Vertrag
abgeschlossen haben, den mir Herr Kirthi im Moment in die Landessprache
übersetzt.
Dann kommen Mahesh und die Fischer mir dem Boot auf einem LKW zurück aus
Negombo. Solch ein Transport wäre in Deutschland nicht vorstellbar. Die drei
sehen sehr zufrieden und glücklich aus. Wie Ananda vorausgesagt hatte,
wollte der erste Verkäufer das Boot nicht mehr für den gleichen Preis
herausgeben, sondern 20.000 Rps. mehr haben. Alle waren dann sehr
niedergeschlagen, aber haben nicht aufgegeben und sind zu anderen Händlern
und dann in den Hafen gefahren, wo sie mit anderen Fischern gesprochen
haben. Dort haben sie dann auch ein Boot gefunden und sind ganz stolz, da
dieses noch besser sei als das zuerst ausgesuchte und noch 5000 Rps.
preiswerter. Wir vereinbaren am kommenden Sonntag um 06:00 Uhr eine
Bootseinweihung nach vorangegangener Freigabe durch einen Mönch. Zufrieden
fahren die drei nach Kabalane weiter. Mahesh ist todmüde, da sie heute
Morgen schon um 04:00 Uhr abgefahren sind.
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Seltsam |
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Gegen 10:30 Uhr fahre ich
wieder ab, um alle für den Hausbau ausgesuchte Familien zu bitten, sich für
kommenden Montag zwischen 08:00 Uhr und 12:00 Uhr bereit zu halten, damit
die notwendige Ortsbesichtigung mit vollständig anwesenden
Familienmitgliedern durchgeführt werden kann. Als ich beim Haus von Herrn
Chaminde ankomme, treffe ich dort eine französische Hilfsorganisation an,
die dort das Grundstück vermisst und einen Lageplan sowie einen Bauplan
dabei hat. Ich sage "hallo" und frage, was sie hier vorhaben. Mir wird
mitgeteilt, dass sie hier 12 Häuser bauen werden und heute Morgen die
entsprechenden Kontrakte beim Gouverneur in Galle unterschrieben hätten (für
mich unverständlich, da der Gouverneur nur Repräsentant der Regierung ist
und keinen Einfluss auf die örtlichen Distrikte hat). Jetzt seien sie da, um
mit dem Bauunternehmer die entsprechende Aufnahme der Häuser durchzuführen.
Ich erkläre ihnen, dass Ceylon-direkt für Herrn Chaminde das Haus bauen
will, und es dafür am Montag einen Termin in Habaraduwa gibt. "Nein, nein"
erhalte ich zur Antwort, die Häuser hier würden sie bauen und dieses sei mit
eingeschlossen in ihre Auswahl. Ich bin in der Diskussion erstaunt, dass den
Franzosen eine Abstimmung mit den örtlichen Behörden als gar nicht notwendig
erscheint. Dann bekomme ich die Information, dass ein Vertreter des "Gouverner
of the thousern Districts" anwesend sei, der das Projekt begleite und werde
zu ihm geführt. Herr Haroun Caled begrüßt mich freundlich und fragt, ob er
mir helfen könnte. Ich erläutere ihm das Problem und erfahre in der
Diskussion auf meine Fragen hin, dass a) keiner im District Secretariat von
dieser Maßnahme Kenntnis hat b) die Bewohner nicht gefragt werden, ob sie
einverstanden sind c) die Franzosen ein "Mach mit" Modell planen. Besonders
das Letztere finde ich erstaunlich, und auf weitere Nachfrage erfahre ich,
dass alle vorhandenen Fundamente herausgerissen werden sollen (diese sind zu
fast 90 % noch in Ordnung). Dann wird ein neues Fundament gebaut, auf dem
zwei Räume errichtet werden, von denen drei Außenwände und die Innenwände
fertig gestellt werden. Die letzte Wand, das Dach und die Küche sowie die
Toilette sowie weitere Räume sollen die Bewohner in Eigenleistung fertig
stellen (womit und wovon??). Ich frage Herrn Caled, ob das die Leute alle
wissen, die hier so plötzlich und unerwartet "ausgewählt" worden seien, und
ob alle damit einverstanden sind, dass diese Entschädigung sie ansonsten zu
dem Verzicht gegenüber der vom Staat angekündigten Hilfe verpflichtet. Er
antwortet mir, dass dies selbstverständlich von den Franzosen gemacht würde,
dazu seien sie ja im Moment hier unterwegs, und die hätten halt das "Go"
über Colombo aus Galle bekommen. Er sieht wohl, dass ich mehr als sprachlos
bin, lächelt mich an und sagt: "Das ist doch für Sri Lanka demokratisch!".
Ich bitte ihn, mit zu Herrn Chaminde zu kommen und diesen zu fragen, ob er
das Haus von Ceylon-direkt oder von den Franzosen haben möchte, und ob er im
ersteren Fall von der Liste der Franzosen gestrichen werden könnte. Herr
Caled stimmt zu, und wir sprechen mit Herrn Chaminde. Als der den
Unterschied erfährt, der hier besteht, lehnt er entschieden die Hilfe der
Franzosen ab. Danach folgen noch viele Telefonate zwischen Herrn Caled und
Galle/Colombo, bis er mir erklärt, dass es jetzt kein Problem mehr seitens
der Regierung gebe und wir dort bauen könnten. Ich bedanke mich und fahre zu
den restlichen vorgemerkten Familien. Dort geht zum Glück alles reibungslos.
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Kann man
es noch deutlicher, noch realistischer zeichnen als dieses Schulkind? Die
Welt versinkt im Wasser. Und während der Vogel in der Luft sich das
Entsetzliche nur hilflos ansehen kann, ist der eiserne Vogel (Hubschrauber
links) der einzige, der Rettung bringt.
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Im Fernsehen sah es so irreal aus |
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Auf dem Rückweg fahre ich bei den Fischern
vorbei, um zu schauen, wie weit sie mit dem Boot sind. Als ich dort ankomme,
finde ich ein vollständig frisch gereinigtes und sauberes Boot vor. Ich
mache einige Fotos, dann bin ich erst einmal sprachlos. Auf dem Heck haben
die drei das Logo der WSW, ohne Punkt (rot war nicht zu bekommen)
aufgebracht. Ich frage, wie sie das hinbekommen haben, und erhalte die
Antwort, dass Herr Nandakara ihnen hierbei mit dem Bau der Schablone
geholfen hat. Sie wollen sich auf diesem Wege bei allen Spendern bedanken,
die ihnen geholfen haben. Ich freue mich sehr darüber, und wir verabschieden
uns bis Sonntag 06:00 Uhr zur ersten Bootsfahrt. Kurz bevor ich fahre,zeigen
sie mir noch die Reste ihrer zwei alten Boote. |
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Wir fahren in Galle auch an dem gelben Gebäude
des Busbahnhofs und an dem Buddha vorbei, auf dessen Dach sich mehrere
Menschen retten konnten. Diese Aufnahmen waren sehr oft im Fernsehen in
Deutschland zu sehen. Es ist kaum zu glauben, dass das Wasser bis über die
erste Etage des Busbahnhofsgebäudes gekommen ist. Ansonsten ist die Stadt
laut, schmutzig und ein Trümmerfeld, in dem gegen Moskitos und Mücken
gesprüht wird. Das Sprühmittel besteht aus einer Mischung aus Diesel,
Kerosin und Zucker. Der dabei entstehende Qualm ist unbeschreiblich. Gerade
als wir in eine Einbahnstrasse fahren und der Verkehr stockt, kommt ein
"Nebelmann" vorbei, und wir sind in einer Wolke eingeschlossen, die uns das
Atmen sehr schwierig macht. Es ist einfach unglaublich, was einem hier alles
passieren kann.
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Aufs Meer |
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Um 05:45 Uhr bringt mich
Ananda nach Kabalane zu den Fischern. Das Boot wird hergerichtet, der Motor
montiert. Dann wird das ganze Boot mit brennendem Räucherpulver eingeweiht
und Buddha um eine gute Zukunft für alle weiteren Fahrten, nach dieser
ersten Fahrt, gebeten. Anschließend fahren wir hinaus zum Angeln. Unterwegs
kann ich aufgrund des Seegangs nur einige Fotos schießen. Allerdings kann
ich das frohe Lachen verewigen. Wir sehen noch einige Delphine, aber die
sind so schnell vorbei, dass ich nur zwei Rückenflossen halbwegs aufs Bild
bekomme. Unterwegs treffen wir weitere Boote, die allerdings schon wieder
mit Netz unterwegs sind. Das Geld hierfür müssen sich "meine" Fischer erst
einmal noch verdienen. Nach gut drei Stunden fahren wir wieder an Land,
unterwegs versuchen wir noch, Langusten zu fangen. Aber aufgrund des
aufgewühlten Wassers kann man unten nichts sehen, da zu viel Sand im Wasser
schwebt. Ich komme auch wieder ins Boot zurück, was relativ schwierig ist,
da die Bordwand sich ca. 70 cm über mir befindet.

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Anschließend fahre ich
wieder zurück nach Koggala und bereite einen „Gutschein“ vor. Ich habe mit
Herrn Chaminde gesprochen, dessen Geschäft ich ja wieder mit einer
Ersthilfe-Spende angekurbelt habe. Er hat von dieser Spende viel
Lebensmittel und landestypische Gebrauchsartikel eingekauft, und ich bin mir
bei ihm sicher, dass er ein ehrlicher Geschäftsmann ist. Dies hat auch
Ananda bestätigt. Also habe ich ihm vorgeschlagen, Gutscheine im Wert von
jeweils 3.000 Rps. bei ihm zu kaufen, damit ich diese dann statt Bargeld an
Arme und Hilfsbedürftige verteilen kann. Mit diesem Betrag kann eine
Familie, je nach Größe und Bedarf, ca. 1 – 2 Monate Lebensmittel und
Haushaltsartikel kaufen. Der Erwerb von Zigaretten, Alkohol und der Umtausch
gegen Bargeld sind ausgeschlossen und zusätzlich bringe ich ein
Verfallsdatum auf, da es ja eine Soforthilfe sein soll. Herr Chaminde
stimmt dem Vorhaben begeistert zu, und der von mir entworfene Gutschein
gefällt ihm gut. Er bittet mich nur, den Namen des Geschäfts und die Adresse
etwas größer zu gestalten. Den Gefallen tue ich ihm gerne, und dann erhält
er von mir einen Ausdruck, den er in entsprechender Menge kopieren soll. Die
Verteilung wird dann in den kommenden Tagen von mir mit Unterstützung von
Herrn Kirthi vorgenommen, den wir mit eingebunden haben.
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Vorsicht ist geboten |
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Ich bereite noch schnell die Unterlagen für den
morgigen Termin im Sekretariat mit Herrn Beier von Ceylon-Direkthilfe zum
Erhalt der Baugenehmigung aus, und dann kommt schon das Auto, das wir
bestellt haben, um die restliche noch vorhandene Kleidung zu verteilen. Wir
haben uns den Küstenabschnitt zwischen Ahangama und Unawatuna ausgesucht, da
hier viele metallverarbeitenden Geschäfte und Tankstellen existieren, die
die von WSW gespendeten Arbeitsanzüge bestimmt gut gebrauchen können. Die
"zivile" Kleidung werden wir dort auch unterbringen können, da ja gerade
längs der Küste die Menschen wohnen, die alles verloren haben. Trotzdem muss
man hier gut aufpassen, da es auch hier schon seit zwei Wochen die so
genannten Mitglieder des "Donation Club of Sri Lanka" gibt, wie es die
Einheimischen umschreiben. Dies sind Menschen, die freie und leere
Strandabschnitte belegen, ein geliehenes Zelt aufbauen und dort mit
möglichst vielen Kindern sitzen, die alle schlecht gekleidet sind und, wenn
möglich, krank aussehen. Es soll sogar schon einen regelrechten
Kindermietservice geben, der Transport und Bezahlung sowie Vertrieb der
Waren regelt. Wie schon mehrfach festgestellt, helfen ist hier nicht
einfach, man muss aufpassen, dass man die Richtigen trifft. Dies gelingt uns
recht gut, da sich sowohl mein Schwager als auch Herr Kirthi hier sehr gut
auskennen und außerdem am Dialekt hören, wer hier nicht hingehört.
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Blumen
und ein Schmetterling. Symbol der Trauer - oder Symbole der Hoffnung?
Vielleicht beides. Erinnerungen an eine schöne Zeit, die jäh beendet wurde.
Oder der Wunsch, es möge wieder so werden, wie es früher einmal war. Wer
vermag das Leid der Kinderseelen zu erahnen, dass sich in wenigen Minuten am
26. Dezember 2004 zugetragen hat?
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Die Häuser werden "amtlich" |
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Ich treffe Herrn Beier im
Koggala Beach Hotel. Dort ist alles fertig aufgeräumt und der Blick über den
Pool auf das Meer muss ich einfach fotografieren, da hier die Welt schon
wieder sauber und in Ordnung ist. Die ersten Gäste, die als Touristen und
nicht als Helfer nach Sri Lanka kommen, werden ab dem 08.02.05 erwartet,
dann kommt auch die erste LTU Maschine aus Deutschland an. Ich treffe Herrn
Beier und seinen Begleiter, Herrn Bimail noch beim Frühstück an. Wir
sprechen über die allgemeine Situation in Sri Lanka und Herr Bimail
erläutert uns diese in Bezug auf die kommende Wahl Anfang 2006 und die
Neubesetzung der Ämter in den Kommunen. Im Anschluss fahren wir dann zu den
von mir ausgesuchten Familien und ihren Grundstücken. Herr Bimail arbeitet
seit 1994 mit und für Ceylon-Direkthilfe. Er stellt in Form eines von
Ceylon-direkt mit ihm in Sri Lanka gegründeten Vereins die notwendige
Landesbindung zum Einsatz der aus Deutschland bereit gestellten Mittel dar.
Er wird auch die zukünftig notwendig werdenden weiteren Abstimmungen mit dem
Sekretariat und mit den Baubehörden koordinieren sowie die gegebenen
Bauplanungen mit einer bewährten Baufirma umsetzen. Diese wird Teile der
Arbeite nach bewährter Art und Weise mit eigenen Handwerkern durchführen und
für einige Gewerke örtliche Handwerker beauftragen. Wir fangen in Kabalane
an und hören dann in Koggala-Habaraduwa auf. Alle Familien sind, wie mit mir
vereinbart, inkl. der Kinder anwesend, und Herr Beier kann sich noch einen
persönlichen Eindruck verschaffen. Nachdem wir den jeweiligen Familien noch
einmal die offizielle Zusage seitens Ceylon-direkt von Herrn Beier durch
Herrn Bimail in Landessprache gegeben haben, lassen wir überall strahlende
Gesichter und dankbare Familien zurück. Herr Bimail hat aufgrund meiner
Vorarbeiten wenig Arbeit mit der Datenaufnahme, da ich ihm alles Notwendige
zur Verfügung stellen kann. Nur bei der Familie Chaminde gibt es ein
Problem, da die Zuwegung zum Grundstück weggespült wurde und keine Fahrzeuge
dorthin kommen können. Die drei Brüder werfen sofort ein, dass das kein
Problem wäre, sie würden alle Materialien selbst dorthin tragen.
Um 12:00 Uhr treffen wir uns mit Herrn Kirthi auf dem Sekretariat wieder und
nehmen die letzte amtliche Hürde vor dem Baubeginn in Angriff. Vor dem
Sekretariat stehen Menschenschlangen, die sich Papiere und Dokumente
bestätigen lassen.
Herr Samarasekara, der Sekretär, kommt mit einer Minute Verspätung aus einer
Besprechung und hat alle Unterlagen vorbreitet, wie er es mir versprochen
hatte. Auch die letzte notwendige Instanz zur Erteilung der Baugenehmigung
von der behördlichen Seite in Galle ist von ihm eingeladen worden und steht
sofort zur Verfügung. Die Dame fühlt sich anscheinend übergangen und "muss"
sich noch einmal alle Grundstücke selbst ansehen, um die abschließende
Freigabe zu erteilen. Es wird vereinbart, dass sie das mit Herrn Widane
macht und dann in den nächsten Tagen die Genehmigung an Herrn Bimail faxt,
damit dieser dann beginnen kann. Während der Besprechung wechselt die
Teilnehmerzahl zwischen fünf und neun Personen. Der technische Ingenieur
versucht verständlicherweise auch, den Fuß in die Tür zu bekommen und
tauscht fleißig Handynummern aus. Die Besprechung dauert bis zur endgültigen
Klärung aller notwendigen Punkte und Übergabe an Herrn Bimail gerade einmal
50 Minuten. Festgelegt wird hierbei auch, dass alle Familien sich nach ihren
Möglichkeiten selbst am Hausbau beteiligen und so helfen, die Kosten zu
senken. Dies habe ich auch im Vorfeld bei den ersten Begehungen den Familien
von Herrn Kirthi so mitteilen lassen, so dass dieser Punkt schon geklärt
ist. Um kurz vor 13:00 Uhr haben wir alles unter Dach und Fach, und jetzt
liegt die Verantwortung für das weitere Vorgehen und den Bau der fünf Häuser
bei Ceylon-direkt. Herr Bimail ist davon überzeugt, dass die ersten
Bauarbeiten noch vor meiner Abreise am 16.02.05 beginnen werden. Ich sage
ihm, dass mich das sehr freuen würde und bitte ihn, mich dann anzurufen,
damit ich noch ein paar Bilder machen kann. Aus Sicherheitsgründen rate ich
noch dazu, mit Herrn Chaminde anzufangen, damit dort wirklich nichts mehr
schief gehen kann. Herr Beier und er sehen keine Probleme und wollen es
versuchen. Dann verabschieden wir uns bis zum Abend voneinander.
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Ruhe |
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Am Abend kommen Herr und Frau Beier zusammen mit
Herrn Bimail noch einmal zu Besuch, um das weitere Vorgehen in Bezug auf die
Aktion der Stadt Remscheid "Remscheid hilft Sri Lanka" abzustimmen. Alle
sind über die schöne Lage des Gewürzgartens am Koggala-See erstaunt. Sie
kennen diese Gegend hier noch nicht und sind wirklich beeindruckt von der
Schönheit der Landschaft. Ich sage Herrn Beier, dass es hier sehr ruhig ist,
da kein lautes Meeresrauschen die Nachruhe stören kann, und sich hier eine
Alternative zum Hotel Koggala-Beach bietet, da Christine und Ananda auch
kleine Appartements vermieten. Er lacht und meint, er würde zukünftig
darüber nachdenken. Nach einiger Zeit und angeregter Diskussion
verabschieden wir uns dann voneinander, mit dem Vorsatz, uns in Deutschland
wieder miteinander in Verbindung zu setzen. Ich persönlich freue mich heute
sehr darüber, dass es mir möglich war, alles bisherige in nicht einmal drei
Wochen umzusetzen.
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Handwerker |
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Den Nachmittag nutze ich zu einer Fahrt längs
der Küste, um die drei Fischer an den Termin auf dem Amt zu erinnern und
bringe auf diesem Weg den zwei Metallbetrieben die Feilen und übriges
Werkzeug vorbei. Die Handwerker sind sehr überrascht, dass ich tatsächlich
wieder gekommen bin und freuen sich sehr über das Werkzeug. Sie erklären
mir, dass sie diese Qualität hier nicht so einfach kaufen könnten und gehen
davon aus, dass sie das noch vererben können. Nachdem ich das
Elektroschweißgerät gesehen habe, kann ich das fast glauben. Ich muss ihnen
noch meine Adresse geben, damit sie mir schreiben können, wie es ihnen
zukünftig weiter ergeht.

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Ich habe erfahren, dass einer der Schreiner,
denen wir geholfen haben, sich jetzt eine Dreh- und Hobelbank kaufen konnte,
jedoch Probleme mit der Arbeit bei seinen Kunden hat, da er mit dem Fahrrad
die Bank natürlich nicht mitnehmen kann. Da ich noch eine Workmate hier
stehen habe, bringe ich ihm diese zusammen mit Herrn Kirthi vorbei. Als wir
ankommen und ihm die sehr handliche und leichte Workmate zeigen, ist er ganz
begeistert. Das wäre genau das, was er braucht, sagt er und lacht froh. Dann
müssen wir uns natürlich seine neue Maschine und seine "Werkstatt" ansehen.
Die Freiluftschreinerei wirkt für uns natürlich sehr einfach, aber wir sehen
einige Bettgestelle, die alle sehr filigran gearbeitet sind. Ich kann mir
gar nicht vorstellen, wie der junge Mann auf seiner Werkbank diese geraden
Möbelstücke herstellen kann. Auf meine Frage, wie er sich denn über Wasser
hält, wenn er keine Aufträge hat, erhalte ich von ihm die Antwort: "Mit der
Herstellung von Vorlegern". Als ich das nicht verstehe, holt er einen
Knüpfrahmen und zeigt mir viele Plastiksäcke mit Stoffresten. Aus diesen
werden dann Streifen geschnitten und daraus stellt seine Familie dann bunte
Vorleger her. Diese werden als Bettvorleger, als Fußabtreter und als
Bodenzierbelag in Autos und Tuk-Tuk's verwendet. Das bringt natürlich kaum
Geld, aber es ist besser als nichts, sagt er. Irgendwie muss man in Sri
Lanka eben immer improvisieren, um zu recht zu kommen. Was soll man dazu
noch sagen? Mit den besten Wünschen an ihn und seine Familie fahren wir
weiter.
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Positive Aufregung |
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Wir sind auf dem Weg zu dem Tempelgelände, auf
dem die Schüler der zerstörten Schulen aus Ahangama untergebracht sind.
Eigentlich wollten wir dies am vergangenen Dienstag erledigen, aber das
haben wir nicht mehr geschafft. Als wir dort hin fahren, stellen wir fest,
dass es trotz guter Ortskenntnisse nicht einfach ist, die Schüler zu finden.
Wir wissen zwar, dass sich das Gelände auf einem Berg befindet, verfahren
uns jedoch ein wenig aufgrund der Tatsache, dass die richtige Strasse
dorthin eigentlich keine Strasse ist, sondern mehr ein Ackerweg mit
Grasbewuchs in der Mitte. Ein Traktor wäre hier angebracht, mit dem Tuk-Tuk
habe ich Probleme, ohne Aufzusetzen weiter zu kommen. Unterwegs sehen wir
eine Frau in einem Sari und Herr Kirthi sagt, das ist bestimmt eine
Lehrerin. Wir stoppen und fragen sie nach dem Weg zur Schule. Es ist
tatsächlich eine Lehrerin, sie steigt zu uns ein und fährt wieder mit uns
zurück, um uns zu helfen. Kurz darauf erreichen wir das Tempelgelände, das
wirklich sehr abseits gelegen ist. Dort angekommen werden wir von lachenden
und lärmenden Kindern begrüßt, für die wir eine willkommene, da fremde
Abwechslung sind. Der Weg auf das Tempelgelände ist steil und wir kommen
ganz schön ins Schwitzen, als wir nach und nach die zwanzig Kartons mit
Papier und Schreibmaterial hinauftragen. Die Lehrerinnen finden dies amüsant
und lächeln höflich. Ein LWK mit Kleidungsspenden von dem Elitekollege
Colombo Nr. 7 ist auch hier. Diese beliefern allerdings die hier sich
befindende Schule des Dorfes. Die Schuldirektorin begrüßt uns ebenfalls sehr
freundlich, sie muss sich allerdings sofort wieder um ihre Schüler kümmern,
da diese heute alle einen Schulrucksack erhalten, und die Verteilung für 740
Schüler ist sehr anstrengend. Wir bitten um ihre Erlaubnis, einige Bilder
vom Schulbetrieb machen zu dürfen. Es ist unglaublich, dass sich auf diesem
Gelände 740 Kinder befinden, die dazu gebracht werden, einen "normalen"
Unterricht mit ihren Lehrerinnen abzuhalten. Dies teilweise unter offenem
Himmel ohne Abdeckung. Deshalb sind die mitgebrachten Abdeckplanen mehr als
willkommen. Eine Klasse, die mitten in der Sonne Unterricht hat, ist gerade
zur Abkühlung in den nahe gelegenen Wald unterwegs. In der Mitte des
Geländes erhebt sich beeindruckend und in strahlendem Weiß die Dagoba des
Tempels. Normalerweise herrscht hier aufgrund der Bedeutung des Ortes
absolute Ruhe, und es wird nur leise gesprochen. Momentan tobt hier jedoch
so viel Leben, dass mein Begleiter, Herr Kirthi, sogar vergisst, seine
Schuhe auszuziehen, als er über das Gelände der Dagoba geht. Als ihm das
bewusst wird, ist er richtig erschrocken, so dass ich lachen muss. Eine
Lehrerin zeigt uns noch freundlich das gesamte "Schulgelände", und ich
fotografiere viele begeisterte Kinder, die alle auf ein Foto wollen. Da wir
den Unterricht jetzt aber merklich stören, verabschieden wir uns schnell von
alleine und machen uns mit einem nachdrücklich erhaltenen Dankeschön wieder
auf den Weg.
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Echte Hilfe, echte Freude |
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Alle Familien sind glücklich und freuen sich
über die Hilfe aus Deutschland. Das Land zu kennen, aus dem die Hilfe kommt,
ist für alle sehr wichtig. Ich werde immer danach gefragt, wo ich denn
herkomme. Sie finden es alle unglaublich, dass es Menschen so weit weg gibt,
die sich die Mühe machen, Geld zu spenden, um ihnen hier zu helfen. Klar
kennen sie Touristen, aber das ist für sie dann doch nicht direkt
vergleichbar. Der Letzte, dem wir heute helfen, ist ein alter
Eisenbahnmitarbeiter. Er hat 31 Jahre als Kontrolleur bei der Staatsbahn
gearbeitet. Im letzten Jahr, erzählt er uns, ist er bei einem Schwarzfahrer
schwach geworden, der Angst vor der relativ hohen Strafe hatte und ihm eine
verzweifelte Geschichte erzählte, so dass er den Fehler machte, 20 Rps.
"Bestechungsgeld" anzunehmen. Dies wurde von einem der übrigen Fahrgäste
gemeldet, und ihm wurde gekündigt. Jetzt bekommt er nur eine Minimalrente,
von der er kaum leben kann. Seine Tochter und sein Enkel leben bei ihm, der
Ehemann wurde vom Tsunami getötet. Die Schicksale, die man hier erfährt,
machen die Hilfe nicht unbedingt leichter, da sie, alles was man tut,
relativ erscheinen lassen.
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Abtauchen |
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Es ist schon sehr ungewöhnlich, sich in einer
Baustelle auf einen Tauchgang vorzubreiten. Aber trotzdem, auch hier braucht
man Hilfe. Allerdings nicht in finanzieller Art, sondern in Form von
Informationen für die Tauchgäste in Deutschland. Fragen wie:
► Hat sich die Unterwasserwelt negativ durch den Tsunami verändert?
► Sind Wracks von Sand überdeckt worden?
► Wie ist die Sicht unter Wasser ... · Etc. etc.,
Ich werde von einem der Eigentümer, Herrn Summith, gebeten, diese
Informationen in das Internet in die entsprechenden Foren als
Erlebnisbericht einzustellen. Vor dem Tauchgang lerne ich noch einen
Holländer kennen, der mit tauchen will. Sein Ziel ist es, eine Sandprobe von
draußen zu bekommen. Der gesamte Strand in Unawatuna hat stark unter dem
Tsunami in Form von Abschwemmungen gelitten. Dies kann in den nächsten
Monsunzeiten zu weiteren Verlusten von Strandflächen führen. Entsprechend
wird überlegt, Sand von draußen an den Strand zu pumpen. Dies geht aber nur,
wenn die Sandtypen identisch im Aufbau sind. Deshalb die Proben. Also fahren
wir raus auf das Meer und gehen tauchen. Wir tauchen ab auf 25 Meter und
finden alles so vor, wie ich es vom letzten Jahr in Erinnerung habe.
Unzählige bunte Fische in allen Arten und Formen sind hier draußen an einem
riesigen Felsenareal, das von 25 Meter Grundtiefe bis auf 10 Meter Tiefe
aufragt. Leider habe ich keine Unterwasserkamera dabei, aber die Eindrücke
bleiben bestimmt erhalten.
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Entschuldigung, dass wir so arm sind ... |
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Und überall treffen wir
Menschen an, die trotzdem freundlich sind und sich freuen, dass sie Besuch
erhalten und noch mehr darüber, dass dieser auch noch hilft. Alle sind sehr
zurückhaltend und bescheiden. Man muss schon mehrfach nachfragen, um zu
erfahren, dass jetzt hier 10 Menschen leben, weil das Haus der Schwester
zerstört wurde, so dass deren gesamte Familie hier mit durchgebracht wird,
da der Mann im Tsunami umkam. Und weil ihnen das unangenehm ist, dass sie so
arm sind, erfährt man das alles von ihnen mit einem peinlichen Lächeln, nur
die Schwester, deren Mann tot ist, bleibt ernst. Was mir hier persönlich
hilft, sind die Kinder, wenn sie mich fröhlich lachend anschauen. Auf dem
Rückweg kommen wir noch am Badebrunnen des Dorfes vorbei. Wie mir Herr
Kirthi erklärt, werden die Baumaterialien und das Werkzeug von der Behörde
zur Verfügung gestellt. Dann müssen alle männlichen Dorfbewohner
Pflichtarbeit beim Bau leisten, so dass alle in persönlicher Verantwortung
gegenüber dem Brunnen stehen. Damit dieser auch zukünftig sauber gehalten
wird und somit zu Badezwecken zur Verfügung steht, übernimmt das Dorf durch
entsprechende Pflichtarbeit die Verantwortung. So kann es keinen Streit
geben.
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Frankreich hilft |
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Um 08:30 Uhr bekommen wir Besuch von Herrn Cader
und dem Vizepräsidenten seiner Firma. Ich habe Herrn Haroun Cader bei dem
Gespräch mit der Französischen Hilfsorganisation "Assosiation International
Enfants de la Rue" A.I.D.E.R. kennen gelernt und ihm mitgeteilt, dass einige
Schulen der Stadt Remscheid langfristige Partnerschaften mit Schulen in Sri
Lanka suchen, dies alles unterstützt und begleitet von der Stadt Remscheid,
die diese Hilfe koordinieren will. Von dort aus bin ich angesprochen worden
mit der Bitte, wenn möglich, einen Kontakt in Sri Lanka herzustellen. Ich
rechne also mit zwei Personen und bin doch zusammen mit Ananda sehr
überrascht, als eine ganze Delegation erscheint. Alle Mitglieder der
ROTARYAID, die eine Foundation mit dem langen Namen "Tsunami Desaster
rebuild Sri Lankan Foundation" gegründet haben. Es sind fünf Geschäftsleute
aus verschiedenen Gegenden von Sri Lanka, die sich gegenseitig dazu erklärt
haben, dass sie alles Erdenkliche tun wollen, um ihren Landsleuten schnelle
und unkomplizierte Hilfe zu verschaffen. Damit meinen sie, dass sie ihre
Kontakte und Beziehungen uneigennützig dazu einsetzen wollen, um
Hilfsprojekte von ausländischen Organisationen oder Privatpersonen
umzusetzen, oder um diesen Projekte aufzuzeigen, also Management und
Administration. Hierbei werden sie sowohl vom Gouverneur der südlichen
Provinzen, also der politischen Seite, als auch von den
NonGouvernementOrganisations von Colombo und Galle unterstützt. Ihr
Zielgebiet sind die südlichen Provinzen. Ich bin überrascht, wie
unkompliziert diese Männer sind, da jeder von ihnen alleine schon gewichtig
genug für einen Termin wäre. Das Gespräch verläuft sehr interessant und
angenehm. Sie haben konkrete Pläne eines Projektes von A.I.D.E.R.
mitgebracht, die umgesetzt werden sollen und bei denen noch Geldgeber
gesucht werden. Neu aufgebaut werden soll eine Schule in Liyanagoda für den
Bereich Habaraduwa. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf ca.
7,5 Mio. Rps. pro Schulgebäude (60.000,-€) und weitere ca. 2 Mio. Rps.(16.000,-€)
für die Einrichtungen der Schulklassen. Gebäude Nummer 1 wird von den
Franzosen bezahlt, für Gebäude Nummer 2 fehlen noch die Gelder, teilen sie
mir mit. Ansonsten könnten sie aber auch jedes andere gewünschte Projekt
umsetzen. Auf eine Schule bezogen, auf mehrere Schulen verteilt oder
ähnliches. Herr Nalzer Cadet bringt es freundlich lächelnd auf den Punkt:
"All you will do, we can do it for you!" Ich bedanke mich recht herzlich bei
ihnen und bekomme Herrn Haroun Cader als Ansprechpartner benannt. Danach
gibt's noch das notwendige und übliche Gruppenfoto und schon fahren die
Herren weiter zum nächsten Termin. Trotzdem hat alles zusammen fast zwei
Stunden gedauert.
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Hoffen
wir, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Welt wieder positiv gesehen, das
Leben befreit ist von allgegenwärtigen schrecklichen Erinnerungen und die
Angst weicht, das Ganze könne sich eines Tages wiederholen. Denn die Stände,
das Meer sind und bleiben nun einmal der Raum, in dem diese Menschen leben
müssen. Sri Lanka ist eine Insel, das Meer ist Teil des ganz alltäglichen
Lebens.
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Katastrophal |
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Danach geht es direkt
weiter, wir fahren nach Telwate (dort wo der Zug vom Tsunami getroffen
wurde) und besuchen dort einige Familien. Die Fahrt dorthin ist schon
deprimierend. Heute ist das Unglück sieben Wochen her und hier sieht es aus,
als ob es gestern gewesen wäre. Wir erfahren, dass sieben Wochen lang schon
aufgeräumt wird, aber durch den Weggang der Amerikaner kein schweres Gerät
vor Ort war. Der Tsunami ist hier 1,5 KM weit in das Landesinnere
vorgedrungen. Man sieht das Meer jetzt von Stellen aus, an denen nie jemand
etwas anderes sehen konnte als Palmen und Häuser. Die Zerstörung ist hier
katastrophal. Wesentlich schlimmer als in Habaraduwa und in Galle. Wir
fahren Kilometer an der Küste längs und sehen dort kein Haus mehr stehen.
Dafür aber Zelte soweit das Auge reicht. Reklametafeln lassen das Ganze
unwirklich erscheinen. |
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Dann fahren wir über die
Bahngleise weiter in das Inland. Ich erfahre, dass der Zug zu einem
Massengrab wurde (1500 Tote), da er mitten zwischen den Menschen des Ortes
und der Welle stand und keiner weglaufen konnte. Alle sind am Zug stecken
geblieben und unter ihm oder in ihm und auf ihm ertrunken. Nach ca. 1
Kilometer halten wir an einem Haus an, und Ananda stellt sich vor die Wand,
an der die Wasserhöhe noch gut zu sehen ist, die hier noch geherrscht hat.
Aufgrund des mitgeführten Erdreichs und des Schlamms konnte in dem Wasser
keiner schwimmen. Alle, die nicht auf die Häuser oder Palmen gekommen sind,
wurden getötet. Wir sprechen mit den Bewohnern, die mittlerweile wieder
zurückgekommen sind, nachdem sie ihre Angst überwunden haben. Ja, sie haben
alle Verluste, die sie erlitten haben, schon vor vier Wochen dem Amt in
Galle schriftlich angezeigt. Aber bisher ist hier hinten noch niemand
hingekommen. Geholfen haben sie sich bisher selber.
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Alles verloren |
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Wir besichtigen noch drei
weitere Häuser von Familien, die mein Schwager kennt und von denen wir
wissen, dass sie unbedingt Hilfe brauchen. Hier gibt es keine Probleme mit
der 100-Meter Zone, und die Häuser können teilweise noch restauriert werden.
Einige sind unterspült und müssen dringend abgestützt werden, andere habe
nur noch drei Wände, aber alle haben eins gemeinsam, es gibt Innen nichts
mehr, was noch intakt ist. Ich verspreche, die Informationen an die Stadt
Remscheid weiter zu geben und zu versuchen, hier noch Spenden für den
Wiederaufbau zu bekommen. Wir verteilen mitgebrachte Lebensmittelpakete und
Wäschepakete und sehen, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist,
aber trotzdem fühlen wir uns gut dabei.
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Bevor wir abfahren,
treffen wir noch einen Mitarbeiter der einheimischen Hilfsorganisation aus
Peraliya, einem Nachbardorf von Telwatte. Dort sind 3.000 Menschen gestorben
und 80% aller Gebäude zerstört, 450 Familien haben kein Zuhause mehr. Auch
Herr Ramitha da Silva hat alles verloren und trauert um Familienmitglieder.
Das Erlebte hat ihn dazu gebracht, dass er sich sofort als Sanitäter bzw.
Ersthelfer ausbilden ließ, um nicht noch einmal hilflos daneben stehen zu
müssen, wenn Menschen gerettet werden könnten, wenn man weiß, was zu tun
ist. Dies hat mich sehr stark beeindruckt und betroffen gemacht. Wir geben
ihm noch Lebensmittel und ein Zelt, dann fahren wir wieder nach Hause
zurück. |
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In letzter Minute |
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Heute bezahlen wir den
Restbetrag für den Zaun und finden uns hierfür auf dem Sekretariat ein.
Unplanmäßig lande ich dann wieder in einer Diskussion zum Thema Hausbau mit
Ceylon-direkt. Ein weiterer Mitarbeiter der Baubehörde in Galle ist
anwesend, der wieder versucht, den Hausbau so zu verändern, dass alle Häuser
auf Betonstelzen von drei Metern Höhe gesetzt werden. Dies würde den
Kostenrahmen absolut sprengen und macht auch keinen Sinn, da die Bewohner
dies gar nicht wollen. Nach langer Diskussion gibt er schließlich auf und
erteilt die Baugenehmigung.
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Gemalte Erinnerungen |
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Jetzt können wir endlich die Bezahlung des Zauns
regeln, und ich werde angenehm überrascht. Der Ingenieur teilt mir mit, dass
der Bau des Zauns nicht so teuer geworden sei wie kalkuliert. Wir sparen
fast 400,-€. Ich freue mich, denn wir können noch Geld für Baumaterial in
Telwatte gebrauchen. Nach Abschluss der Formalitäten werde ich noch einmal
zur Schule geführt, um dort Bilder von den Schülern, der Schule und dem Zaun
zu machen. Am Zaun hängt ein großes Tuch, auf dem sich die Schule bei allen
Helfern bedankt. In dem Gespräch mit den Lehrerinnen erzählen mir diese,
dass sie gerade versuchen, mit den Kindern den Tsunami aufzuarbeiten, indem
die Kinder das von ihnen Erlebte malen. Ich bitte sie darum, mir einige
Bilder zu zeigen und fotografiere sie sofort, denn sie sind wirklich gut
gezeichnet und drücken viele Empfindungen aus.
[Anmerkungen: es sind die großen Bilder, die sie zwischen diesen Texten
gesehen haben.]
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Denn ich bin froh ... |
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Heute heißt es Koffer packen und Abschied
nehmen. Um22:00 Uhr muss ich nach Colombo abfahren, da der Flug auf morgen
um 04:40 Uhr festgelegt ist. Hier muss man drei Stunden vorher am Flughafen
sein, und die Fahrt nach Colombo ist auch nachts immer noch ein vier bis
fünf Stunden dauerndes Abenteuer. Dann geht es sehr schnell bis zum Abend.
Es kommen noch viele Freunde und Familienmitglieder und verabschieden mich.
Das macht den Abschied noch etwas schwerer, aber die Freude auf zu Hause
überwiegt jetzt doch, denn ich bin froh, wenn ich meine Frau und meine
Kinder wieder sehen kann, die ich die ganze Zeit sehr vermisst habe.
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Ende Teil 2 |
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Teil 1
des Berichts
Fotoserie |
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