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Ingo Sommer's Aktivitäten sind eine private, spontane Initiative. Motiviert durch familiäre Beziehungen nach Sri Lanka. Seine Schwägerin ist mit einem Sri Lanker verheiratet. Daher kennen er und seine Frau das Land gut. Seine ceylonesischen Verwandten leben überwiegend im am schwersten betroffenen Gebiet, dem Süden der Insel.

Mit der ersten Hilfe ist die Not gelindert, das Desaster jedoch noch nicht vorbei. Daher seine intensive Bitte:

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► Aufgrund der aktuellen Situation erneuere ich meinen Spendenaufruf, um auch langfristige Hilfe zu ermöglichen.

Langfristig für alle, die eventuell irgendwann ein Dach über dem Kopf haben, aber weder Bett noch Tisch oder Stuhl und schon gar keine Einrichtung, um darin zu leben.

Bitte unterstützen Sie die Menschen in Sri Lanka über meine weitergehenden Aktivitäten.

Spendenkonto: 5957287, BLZ 330 500 00, Stadtsparkasse Wuppertal
Bitte unbedingt Stichwort "Hilfe für Koggala" und Namen angeben.

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Alle Fotos: Ingo Sommer
 

Zwischen beiden Tagen, dem vernichtenden Tsunami und der Rückkehr in ein halbwegs normales Leben liegen nur wenige Wochen. Dies wurde möglich durch die beispiellose Spendenbereitschaft, die es unter anderem in Deutschland gegeben hat. DANKE:

Teil 1 des Berichts
Fotoserie
     

 

 

Der Tag, an dem das Land zur Wasserhölle wurde, hat sich tief in das Bewusstsein von Schulkindern eingeprägt. Sie verarbeiten die Erinnerungen auf ihre Art und und Weise. In Bildern, die in ihrer Deutlichkeit erschütternd sind. Ein Albtraum,

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Hilfe ist gut. Bürokratie Realität. Und dennoch gibt es Lichtblicke.

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Am Nachmittag besuche ich mit meiner Schwägerin Christine Herrn Lehmann, einen Unternehmer aus der Textilbranche in Wuppertal. Er hat aufgrund des Artikels in der WZ über mein Engagement in Sri Lanka Kontakt mit meiner Frau aufgenommen und sich dann hier bei uns gemeldet. Wir fahren mit dem Tuk-Tuk nach Ahangama. Dort hat Herr Lehmann 17 Jahre gelebt, ist dann aber aus gesundheitlichen Gründen vor zwei Jahren wieder zurück nach Deutschland gezogen. Aufgrund der Katastrophe ist er wieder zurückgekehrt und versucht ebenfalls zu helfen. Wir tauschen in seinem sehr schönen Haus, das in einem gepflegten ca. 3500 m² großen Grundstück liegt, die bisher gemachten Erfahrungen aus und stellen gemeinsam fest, dass es wirklich nur durch persönliches Engagement vor Ort möglich ist, gezielt schnell den armen Menschen zu helfen, da die Organisationen sich schon wieder im Dschungel der Bürokratie verfangen haben. Er hat für einige Tage eine deutsche Hilfsorganisation auf seinem Grundstück im Gästehaus bewirtet und sich ein Bild von den zurzeit ablaufenden Behinderungen der diversen Hilfsorganisationen machen können, deren Aktivitäten bisher weder in den einzelnen Distrikten und schon gar nicht landesweit koordiniert werden können. Es finden zwar wöchentlich große Sitzungen in Colombo statt, aber der Weg in die "Provinz" ist weit und schwierig. Außerdem gibt es aus unserer Sicht anscheinend schon einen Prestigekampf um die schönsten und größten Projekte. Wer baut zuerst die größte Siedlung und das schönste Waisenhaus oder das größte Krankenhaus? Dies alles ist zwar langfristig wichtig, aber was haben die Menschen davon, die im Moment im Dreck leben und kein Dach über dem Kopf haben? Herr Lehmann hat direkt an der Hauptstraße in Ahangama, an der auch jeden Tag Hilfsorganisationen vorbeifahren, unmittelbar neben einer Behelfsbrücke lebende Menschen vorgefunden, deren Dorf durch den Bau der Hilfsbrücke fast unter Wasser steht, da dieses durch die Aufschüttungen nicht mehr abfließen kann. Entsprechend wird es nicht mehr ausgetauscht und es bilden sich Gerüche und Moskitos, was wiederum für die Kinder sehr gefährlich ist. Viele Bewohner sind durch den Tsunami verletzt und haben offene Wunden, die sich entzündet haben. Zur Ersthilfe hat er den Menschen erklärt, wo sie kostenlos Medizin bekommen können und ihnen dann Werkzeug gekauft, mit dem sie erst einmal einen provisorischen Ablauf gegraben haben. Er versucht gerade, über die Behörde den Einsatz von schwerem Gerät zu organisieren. Insgesamt hält er jedoch weder von diesen noch von den Hilfsorganisationen sehr viel. Er hat auch noch Kontakt mit einer Schule aufgenommen und will für diese eine Überdachung der Sportplatztribüne spenden.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Der Tod macht keinen Unterschied

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Ich sehe einen kleinen mit Haussteinen umfassten Steinhügel, der mit einer Flasche, in der sich eine Blume befindet, verziert ist und frage, ob dies ein Grab sei. Herr Chaminda bejaht, dort habe er seinen Vater und das drei Monate alte Baby seines Bruders beerdigt. Die Gefasstheit, mit der er das sagt, und sein trauriger Gesichtsausdruck machen mich mehr betroffen als alles andere. Wir nehmen alle notwendigen Daten auf und verabschieden uns von ihm.

 

       

 

 

Blumen für ein Grab. Viele der Schulkinder haben Geschwister, Verwandte, Freunde verloren. Einige auch Eltern, Großeltern. Kaum eine Familie im Süden von Sri Lanka, die nicht Tote zu beklagen hat. Manche davon nicht nur einen, nein fünf, zehn - oder mehr sogar. Das soziale Leben, die familiären Strukturen sind auf die gesamte nächste Generation hinaus verändert. Wie nach einem tragischen, vernichtenden Krieg.

 

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Kompliziert

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Danach besuchen wir weitere Familien in Kathaluwa und Ahangama sowie in Kabalana, die alle ihre jeweiligen Toten oder schwer Verletzte zu beklagen haben. Wir versuchen, die auszusuchen, bei denen wir davon ausgehen können, dass die Hilfe hier auch langfristig Sinn macht, und der Aufbau der Familien auch zukünftig weiter begleitet werden kann. Zum Beispiel die Familie von Herr B. Darmadasa, sie hat mit fünf Personen die notwendige Anzahl an Familienmitgliedern. Das Grundstück liegt 112 Meter von der Küste entfernt und der Hausherr geht regelmäßig zur Arbeit. Er ist Stelzenfischer und verdient entsprechend wenig Geld, um damit das Leben seiner Familie zu bestreiten und seine Kinder zur Schule schicken zu können. Sein Grundstück ist vollständig aufgeräumt, aber er besitzt nur eine Grundstücknutzungsgenehmigung. Diese ist zwar laut den noch vorhandenen Unterlagen von einem Notar beglaubigt, allerdings muss geprüft werden ob hier eine Regelung mit dem Eigentümer für die Bebauung möglich ist, die ausschließlich Herrn Darmadasa und seiner Familie das dauerhafte Nutzungsrecht für das neue Haus möglich macht und verhindert, dass der Grundstücksbesitzer ihnen nicht eines Tages das fertige Haus streitig macht.

 

   

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Politik - und kein Ende der Diskussion

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Man kann gar nicht glauben wie schwierig es ist, in all diesem Chaos hier, bei all den zerstörten Häusern, den Menschen helfen zu können, da wir solche und ähnliche Bedingungen an vielen Stellen antreffen. Viele Menschen lebten in Häusern, die ihnen nicht gehörten, sondern ihnen überlassen oder geschenkt wurden oder auf Grundstücken, die ihnen nicht gehörten, sondern ihnen zur Verfügung gestellt wurden. Viele lebten auf überhaupt nicht registrierten Flächen, ohne irgendeine Genehmigung in selbstgebauten "Häusern". Die meisten trifft es aber doppelt hart aufgrund der 100 Meter Grenze, die eingehalten werden soll. Dies ist heute auch noch einmal im Fernsehen von der Präsidentin bekräftigt worden. Sie will alle schwarz hoch gezogenen Bauten in dieser Zone wieder abreißen lassen. In exponierten Lagen sogar bis 300 Meter. Prinzipiell ist diese Entscheidung richtig, sie beinhaltet jedoch eine langfristige Verzögerung des Wiederaufbaus, da sich die politischen Parteien im Moment zwar grundsätzlich einig sind, dass der seit 1984 bestehende Erlass eingehalten werden soll, aber viele der Politiker gerne Ausnahmeregelungen für große Hotels in Kraft setzen wollen, von denen ihnen zufällig das eine oder das andere oder mehrere gehören. So vertritt in einer Fernsehdiskussion ein tamilischer Politiker der kommunistischen (roten) Partei den Standpunkt, dass an der Südküste die 100 Meter Grenze keinen Sinn macht (dort gehören ihm zwei Hotelanlagen), für die Gegend um Jaffna ist er allerdings sogar für einen 600 Meter Streifen mit Ausnahmegenehmigung für Hotels (so kämen er und andere wahrscheinlich preiswert an "freie" enteignete Grundstücke). Da dies und vieles andere den Menschen teilweise bekannt ist, wächst momentan die Spannung in der Bevölkerung stark an. Es gibt viele wilde Demonstrationen. Vor allem wird diese Diskussion ja auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen, die aktuell keine richtige Unterkunft haben und vor allem kein Geld. Hierzu kommen dann die ausländischen Projekte für Mehrfamilien-Reihenhäuser, die in diesem Zusammenhang für die Regierung natürlich ein interessantes Sparpotential enthalten, jedoch an der Mentalität und der Realität weit vorbei gehen. Hier wird viel diskutiert und nichts geschafft. Trotz allen Widrigkeiten haben wir am Nachmittag vier Familien zusammen, bei denen alle Rahmenbedingungen zutreffen. Weiterhin treffe ich bei dieser Suche immer wieder auf Menschen innerhalb des 100 Meter Streifens, die von der Welle am meistens betroffen sind und kann ihnen mit Geldspenden helfen. Da ich in Begleitung von zwei Einheimischen unterwegs bin, kann ich dies auch so regeln, dass kein Auflauf entsteht. Aufgrund der Hitze und der offenen Flächen ohne Schatten ist dieser Tag sehr anstrengend.

 

 

 

Das geht unter die Haut: Kinder müssen ansehen, wie Menschen hilflos in den Wassermassen treiben und vielleicht gerade noch das Glück haben, durch Hubschrauber geborgen zu werden - oder eben auch nicht mehr lebend. Wie werden Kinder solche Horroszenen jemals wieder vergessen können? Wie wird es ihr Leben prägen? Wir alle wissen es nicht. Um so größer ist die moralische Pflicht, alles zu tun, damit diese Bilder nicht das Positive und die Zuversicht überdecken, mit dem Kinder normalerweise ins Leben gehen.

 

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Zaun als Schutz

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Trotzdem nehmen wir uns noch Zeit für drei Fischer, die mich um Hilfe bitten. Es sind Außenküstenfischer, die ein Motorboot benötigen. Ich frage sie, was denn so ein Boot kosten würde. Gebraucht ca. 100 Tsd. Rupies sagen sie, das sind ca. 800,- €. Wo kann man denn im Moment ein gebrauchtes Boot kaufen, frage ich, und bekomme "in Negombo" zur Antwort. Das liegt aus unserer Sicht noch nördlich hinter Colombo, also mehr als sechs Stunden Autofahrt entfernt. Da vorher zwei von ihnen jeweils ein Boot besessen haben, frage ich sie erst einmal, ob sie bereit wären, sich zu Dritt ein Boot zu teilen, damit nicht nur einer etwas von der Hilfe hätte und ob sie das beim Sekretariat unterschreiben würden. Sie beraten sich kurz und stimmen dem zu. Ich bitte sie darum, ohne mich die Verfügbarkeit eines passenden Bootes zu prüfen, damit der Preis nicht nach oben geht und vereinbare einen Termin am kommenden Mittwoch mit ihnen.

 

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An der Schule sehe ich, dass die Arbeiten zügig voran gehen. Auf gut 200 Meter Länge stehen schon die Zaunpfähle, die aus Kunststoffrohren bestehen, in denen sich jeweils zwei 1,5 Meter lange und 10 mm starke Eisen befinden die bis in das Fundament reichen. Die Rohre werden nach Einbringung der Zaunbefestigung mit Beton verfüllt. Das ganze wird ohne Wasserwaage verarbeitet. Man stellt hier alles nach dem Auge. Aber ich finde, dass es ziemlich gerade wirkt. Auf dem Schulgelände spielen Kinder Kricket und schon fliegt ein Ball am Ziel vorbei auf die Straße, und ein Kind läuft hinterher. Einer der Bausarbeiter hält es auf und fest, der andere gibt ihm den Ball zurück. Es wird wirklich Zeit, dass hier "dicht" gemacht wird.

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Anderen geholfen, obwohl selbst in Not

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Heute Nachmittag fahren wir nach Matara, die Stadt befindet sich etwa 35 KM weiter die Küste herunter. Auf dem Weg dorthin sehen wir erste fertige Außenmauern und Baustellen von Hotels, ansonsten aber nichts anderes als Zerstörung und Armut. Der Verkehr ist wie immer abenteuerlich. Zum Glück haben wir aufgrund der Länge der Strecke ein geschlossenes Auto mieten können. Ich habe zwei Briefe mitgenommen, die mir Herr Meier aus Remscheid mitgegeben hat. Er und seine Frau haben in Matara den Tsunami selbst mit- und überlebt. Er wurde relativ "leicht" verletzt, seine Frau hat sich jedoch starke Schnittwunden an einem Aquarium zugezogen hat, das durch die Welle zerbrach. Sie haben in einem Hotel unmittelbar am Strand gewohnt, das sehr stark vom Tsunami beschädigt wurde. Die Besitzer haben sich sehr um Familie Meier gekümmert und, trotz der eigenen Not, sofort eine Unterkunft für sie besorgt. Auch dort sind die Beiden liebevoll gepflegt und behandelt worden. Diese starken Eindrücke haben die Meiers in so positiver Erinnerung, dass sie den Hotelinhabern helfen wollen. Dieses Hilfsangebot habe ich dabei und will es dort abgeben. Ich mache dort einige Fotos und übergebe die Briefe. Das Hotel am Strand befindet sich im Wiederaufbau. Die Außenmauer des Grundstücks ist wieder aufgebaut und innere Schäden werden gerade beseitigt.

 

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Apokalypse

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Wir fahren weiter nach Dondra, der südlichsten Spitze mit dem dort stehenden Leuchtturm. Der Weg führt über Matara, vorbei an der Universität von Ruhuna mit ihren großen Gebäuden in wunderschöner Lage. Die Universität liegt zum Glück weit genug im Inland und auf einer Anhöhe, so dass sie nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. In Dondra, auf der dem Leuchtturm gegenüber liegenden Seite, ist nichts passiert, da die Felsen dort mehr als 15 Meter über dem Meer liegen. Die Bewohner berichten uns, dass das ganze Hafenbecken leer war und die Fische auf dem trockenen Boden nach Luft geschnappt haben. Das Wasser hat sich über 800 Meter weit zurückgezogen, dann ist es mit großer Wucht und sehr schnell in den Hafen zurück gelaufen. Sie hier oben auf dem Felsen haben Glück gehabt, die unten liegenden Fischerdörfer sind zerstört. Es gab viele Tote. Heute sieht es dort so schön aus, dass es unwirklich erscheint, was hier passiert ist.

 

 

 

Bäume stürzen, Häuser zerbrechen – Menschen ertrinken !

Man darf nie vergessen, die Hilfe, die nun geleistet wird, ist nicht die sonst übliche "Entwicklungshilfe" für ärmere Ländern oder Menschen ohne Chancen, wie wir sie in den Industriestaaten fast schon als Menschenrecht ansehen. Nein, die Hilfe, die nun zu leisten ist, ist für Menschen, die mehr erleben mussten, als manche Seele, vor allem Kinderseele, überhaupt verkraften kann.

 

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Deutsch, daher schwierig

   

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Wir fahren über Matara zurück und halten kurz in Merisse an, dort befindet sich ein Gästehaus, in dem wir voriges Jahr oft gebadet haben. Es steht nicht mehr viel und alles ringsum ist auch zerstört. Die ehemalige Windmauer zum Strand liegt sauber aufgeschichtet in Einzelteilen da. Wenn man sich vorstellt, dass die Leute hier jetzt seit einem Monat aufgeräumt haben, kann man sich in etwa vorstellen, wie es hier direkt nach dem Tsunami ausgesehen haben muss. Am traurigsten sieht es an der ehemaligen Bar aus, dort hängt noch der Wunsch zu „Frohe Weihnachten“ und wirkt fast unheimlich.

 

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Wir fahren über Galle einen Bogen zurück nach Hause, da wir beim THW vorbeifahren wollen, um dort Brunnenproben abzugeben. Im Hafen wird gerade ein Frachter geborgen, der mitten im Becken lag, und die Pumpen sprühen einen riesigen Wasserstrahl aus dem Schiff. Beim THW angekommen, treffen wir auf das ein wenig typisch deutsche Verhalten, dass meinen Schwager auch sofort auf dem falschen Fuß erwischt, da er so etwas nicht versteht. Auf meine Frage nach der Möglichkeit einer Prüfung der von uns mitgebrachten Probe auf Brunnenwasserqualität ist die erste Frage, ob dies Privatbrunnen seien oder öffentliche. Als ich mit Privatbrunnen antworte, erhalte ich die genervte Antwort, dass man dies nicht gerne tun wolle, da ansonsten ja alle kommen könnten. Ich beruhige erst einmal Ananda, der nicht versteht, dass unser Anliegen abgelehnt wird, zumal im Umkreis kein Einheimischer zu sehen ist, der auch eine Probe dabei hat. Also warum helfe der Mann nicht, der doch als Helfer ins Land gekommen sei? Jetzt erhalten wir das Angebot, mit den Proben nach Hikkaduwa zu fahren, da sich dort das Laboratorium befinde. Ich bedanke mich und wir fahren auf dem Rückweg in Habaraduwa bei den Österreichern vorbei, geben dort unsere Proben ab und werden gebeten, am Freitag das Ergebnis abzuholen.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Dank an Wuppertal und Remscheid

     

 

 

 

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Heute fahre ich mit Ananda nach Galle, um seinen Sohn und die Kinder seiner Schwester zur Schule und zum Kindergarten zu bringen. Die Fahrt durch Galle ist chaotisch. Hier sind mehrere tausend Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bus, Motorrad oder einem Auto unterwegs. Wäre der Tsunami an einem Wochentag gekommen, dann wären hier weit mehr als 4200 Menschen gestorben. Alle Busse sind vollständig überfüllt. Hier geht es zu wie in einem Bienenstock. Auf dem Rückweg sind wir froh, wieder aus der Stadt heraus zu sein. Wir fahren zum Fischereihafen, in der Hoffnung, dort frischen Fisch zu bekommen, den wir in den letzten Wochen nicht bekommen konnten, da viele Fischer entweder kein Boot mehr haben oder Angst davor, wieder aufs Meer zu segeln. Die großen Schiffe, die mehrere Tage draußen bleiben können, sind immer noch nicht funktionstüchtig. Wir haben also kein Glück hier. Auf dem Rückweg sehen wir einen Fischverkäufer auf seinem Fahrrad und halten ihn direkt an. Er verkauft tatsächlich frischen Fisch, den er heute Morgen in Ahangama bekommen konnte. Wir kaufen ihm drei Butterfische und einen großen Springfisch ab, ca. 5 KG für 520 Rps. also ca. 4,20 € und spenden noch einmal dieselbe Menge für die herbeigekommenen Anwohner, die uns beim Kauf hungrig zugeschaut haben.

 

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Zum Sekretariat fahre ich mit Herrn Kirthi. Wir benötigen von dort Unterlagen und noch einmal eine Unterstützung durch den technischen Assistenten Herrn Widane (endlich kennen wir seinen Namen), um mit den Familien, denen wir helfen wollen, die Unterlagen für die Baugenehmigung vorzubereiten. Auf dem Sekretariat ist es sehr voll, aber wir können die schon vorbereiteten Papiere sofort mitnehmen. Allerdings ist Herr Widane nicht hier, wird uns mitgeteilt, sondern in einem Fischerdorf vor Kabalane. Wir fahren dorthin und versuchen, ihn dort zu finden. Das erweist sich als sehr schwierig, da in diesem Chaos keiner weiß, wo er ist. Wir gehen deshalb durch das völlig zerstörte Dorf und bahnen uns den Weg durch die Trümmer, um zu einzelnen Häusern zu gelangen. Hier standen einmal 89 Häuser, wie ich von einem Herrn erfahre, der mich freundlich anspricht und mich fragt, was ich hier mache. Ich erkläre es ihm, und er stellt sich mir als Mitglied des Lions Club international vor. Er erzählt mir, dass der Lions Club 1995 den Bau der 89 Häuser gespendet hatte, um den Aufbau des Dorfes voran zu treiben. Nun sei man wieder hier und wolle jetzt eben noch einmal von vorne anfangen. Ich sage ihm, dass ich das gut finde und leider mit meiner privaten Initiative nicht in solch einem Umfang helfen kann. Er wischt das mit einer Handbewegung auf Seite und bedankt sich bei mir. Er bittet mich, allen Spendern aus Wuppertal und Remscheid für die Unterstützung seiner Landsleute zu danken. Er fände das einfach toll, dass so viele Menschen in Deutschland für seine Landsleute Geld spenden würden. Und dieses dann direkt und unkompliziert als Hilfe vor Ort zu bringen, wäre noch besser, denn schnelle Hilfe könnten hier ja alle gebrauchen. Während des Gesprächs findet uns durch Zufall Herr Widane, so dass wir uns verabschieden und weiter nach Kathalugoda fahren. Dort treffen wir Herrn Jinadasa, der für den Bau eines Hauses in Frage kommt und sprechen mit ihm die Unterlagen und Papiere durch. Er muss auch noch eine beglaubigte Kopie der Besitzurkunde in Galle anfertigen lassen, wie wir feststellen. Wir bitten ihn bis zum kommenden Samstag alles vorzubereiten, da es dann einen Termin für die Baugenehmigungen in Habaraduwa gebe, zu dem diese Unterlagen bereit liegen müssten. Er versichert, sich noch heute auf den Weg zu machen.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Keineswegs ausgebootet

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Am Nachmittag haben wir ein Gespräch mit den drei Fischern aus dem Ort Kabalane, die bereit sind, eine Dreier-Gemeinschaft zu bilden. Sie haben tatsächlich in Negombo ein, wie sie sagen, akzeptables Boot mit Motor zu einem akzeptablen Preis gefunden haben. Sie sprechen von 95.000 Rps. zzgl Transport (ca. 950,00 €). Ich sage zu, und wir schicken am kommenden Morgen Mahesh, einen Mitarbeiter meines Schwagers mit ihnen nach Negombo, damit dieser den Kauf durchführt und erst einmal die Papiere in Gewahrsam nimmt, bis wir mit den Dreien einen Vertrag abgeschlossen haben, den mir Herr Kirthi im Moment in die Landessprache übersetzt.

Dann kommen Mahesh und die Fischer mir dem Boot auf einem LKW zurück aus Negombo. Solch ein Transport wäre in Deutschland nicht vorstellbar. Die drei sehen sehr zufrieden und glücklich aus. Wie Ananda vorausgesagt hatte, wollte der erste Verkäufer das Boot nicht mehr für den gleichen Preis herausgeben, sondern 20.000 Rps. mehr haben. Alle waren dann sehr niedergeschlagen, aber haben nicht aufgegeben und sind zu anderen Händlern und dann in den Hafen gefahren, wo sie mit anderen Fischern gesprochen haben. Dort haben sie dann auch ein Boot gefunden und sind ganz stolz, da dieses noch besser sei als das zuerst ausgesuchte und noch 5000 Rps. preiswerter. Wir vereinbaren am kommenden Sonntag um 06:00 Uhr eine Bootseinweihung nach vorangegangener Freigabe durch einen Mönch. Zufrieden fahren die drei nach Kabalane weiter. Mahesh ist todmüde, da sie heute Morgen schon um 04:00 Uhr abgefahren sind.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Seltsam

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Gegen 10:30 Uhr fahre ich wieder ab, um alle für den Hausbau ausgesuchte Familien zu bitten, sich für kommenden Montag zwischen 08:00 Uhr und 12:00 Uhr bereit zu halten, damit die notwendige Ortsbesichtigung mit vollständig anwesenden Familienmitgliedern durchgeführt werden kann. Als ich beim Haus von Herrn Chaminde ankomme, treffe ich dort eine französische Hilfsorganisation an, die dort das Grundstück vermisst und einen Lageplan sowie einen Bauplan dabei hat. Ich sage "hallo" und frage, was sie hier vorhaben. Mir wird mitgeteilt, dass sie hier 12 Häuser bauen werden und heute Morgen die entsprechenden Kontrakte beim Gouverneur in Galle unterschrieben hätten (für mich unverständlich, da der Gouverneur nur Repräsentant der Regierung ist und keinen Einfluss auf die örtlichen Distrikte hat). Jetzt seien sie da, um mit dem Bauunternehmer die entsprechende Aufnahme der Häuser durchzuführen. Ich erkläre ihnen, dass Ceylon-direkt für Herrn Chaminde das Haus bauen will, und es dafür am Montag einen Termin in Habaraduwa gibt. "Nein, nein" erhalte ich zur Antwort, die Häuser hier würden sie bauen und dieses sei mit eingeschlossen in ihre Auswahl. Ich bin in der Diskussion erstaunt, dass den Franzosen eine Abstimmung mit den örtlichen Behörden als gar nicht notwendig erscheint. Dann bekomme ich die Information, dass ein Vertreter des "Gouverner of the thousern Districts" anwesend sei, der das Projekt begleite und werde zu ihm geführt. Herr Haroun Caled begrüßt mich freundlich und fragt, ob er mir helfen könnte. Ich erläutere ihm das Problem und erfahre in der Diskussion auf meine Fragen hin, dass a) keiner im District Secretariat von dieser Maßnahme Kenntnis hat b) die Bewohner nicht gefragt werden, ob sie einverstanden sind c) die Franzosen ein "Mach mit" Modell planen. Besonders das Letztere finde ich erstaunlich, und auf weitere Nachfrage erfahre ich, dass alle vorhandenen Fundamente herausgerissen werden sollen (diese sind zu fast 90 % noch in Ordnung). Dann wird ein neues Fundament gebaut, auf dem zwei Räume errichtet werden, von denen drei Außenwände und die Innenwände fertig gestellt werden. Die letzte Wand, das Dach und die Küche sowie die Toilette sowie weitere Räume sollen die Bewohner in Eigenleistung fertig stellen (womit und wovon??). Ich frage Herrn Caled, ob das die Leute alle wissen, die hier so plötzlich und unerwartet "ausgewählt" worden seien, und ob alle damit einverstanden sind, dass diese Entschädigung sie ansonsten zu dem Verzicht gegenüber der vom Staat angekündigten Hilfe verpflichtet. Er antwortet mir, dass dies selbstverständlich von den Franzosen gemacht würde, dazu seien sie ja im Moment hier unterwegs, und die hätten halt das "Go" über Colombo aus Galle bekommen. Er sieht wohl, dass ich mehr als sprachlos bin, lächelt mich an und sagt: "Das ist doch für Sri Lanka demokratisch!". Ich bitte ihn, mit zu Herrn Chaminde zu kommen und diesen zu fragen, ob er das Haus von Ceylon-direkt oder von den Franzosen haben möchte, und ob er im ersteren Fall von der Liste der Franzosen gestrichen werden könnte. Herr Caled stimmt zu, und wir sprechen mit Herrn Chaminde. Als der den Unterschied erfährt, der hier besteht, lehnt er entschieden die Hilfe der Franzosen ab. Danach folgen noch viele Telefonate zwischen Herrn Caled und Galle/Colombo, bis er mir erklärt, dass es jetzt kein Problem mehr seitens der Regierung gebe und wir dort bauen könnten. Ich bedanke mich und fahre zu den restlichen vorgemerkten Familien. Dort geht zum Glück alles reibungslos.

 

 

 

Kann man es noch deutlicher, noch realistischer zeichnen als dieses Schulkind? Die Welt versinkt im Wasser. Und während der Vogel in der Luft sich das Entsetzliche nur hilflos ansehen kann, ist der eiserne Vogel (Hubschrauber links) der einzige, der Rettung bringt.

 

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Im Fernsehen sah es so irreal aus

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Auf dem Rückweg fahre ich bei den Fischern vorbei, um zu schauen, wie weit sie mit dem Boot sind. Als ich dort ankomme, finde ich ein vollständig frisch gereinigtes und sauberes Boot vor. Ich mache einige Fotos, dann bin ich erst einmal sprachlos. Auf dem Heck haben die drei das Logo der WSW, ohne Punkt (rot war nicht zu bekommen) aufgebracht. Ich frage, wie sie das hinbekommen haben, und erhalte die Antwort, dass Herr Nandakara ihnen hierbei mit dem Bau der Schablone geholfen hat. Sie wollen sich auf diesem Wege bei allen Spendern bedanken, die ihnen geholfen haben. Ich freue mich sehr darüber, und wir verabschieden uns bis Sonntag 06:00 Uhr zur ersten Bootsfahrt. Kurz bevor ich fahre,zeigen sie mir noch die Reste ihrer zwei alten Boote.

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Wir fahren in Galle auch an dem gelben Gebäude des Busbahnhofs und an dem Buddha vorbei, auf dessen Dach sich mehrere Menschen retten konnten. Diese Aufnahmen waren sehr oft im Fernsehen in Deutschland zu sehen. Es ist kaum zu glauben, dass das Wasser bis über die erste Etage des Busbahnhofsgebäudes gekommen ist. Ansonsten ist die Stadt laut, schmutzig und ein Trümmerfeld, in dem gegen Moskitos und Mücken gesprüht wird. Das Sprühmittel besteht aus einer Mischung aus Diesel, Kerosin und Zucker. Der dabei entstehende Qualm ist unbeschreiblich. Gerade als wir in eine Einbahnstrasse fahren und der Verkehr stockt, kommt ein "Nebelmann" vorbei, und wir sind in einer Wolke eingeschlossen, die uns das Atmen sehr schwierig macht. Es ist einfach unglaublich, was einem hier alles passieren kann.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Aufs Meer

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Um 05:45 Uhr bringt mich Ananda nach Kabalane zu den Fischern. Das Boot wird hergerichtet, der Motor montiert. Dann wird das ganze Boot mit brennendem Räucherpulver eingeweiht und Buddha um eine gute Zukunft für alle weiteren Fahrten, nach dieser ersten Fahrt, gebeten. Anschließend fahren wir hinaus zum Angeln. Unterwegs kann ich aufgrund des Seegangs nur einige Fotos schießen. Allerdings kann ich das frohe Lachen verewigen. Wir sehen noch einige Delphine, aber die sind so schnell vorbei, dass ich nur zwei Rückenflossen halbwegs aufs Bild bekomme. Unterwegs treffen wir weitere Boote, die allerdings schon wieder mit Netz unterwegs sind. Das Geld hierfür müssen sich "meine" Fischer erst einmal noch verdienen. Nach gut drei Stunden fahren wir wieder an Land, unterwegs versuchen wir noch, Langusten zu fangen. Aber aufgrund des aufgewühlten Wassers kann man unten nichts sehen, da zu viel Sand im Wasser schwebt. Ich komme auch wieder ins Boot zurück, was relativ schwierig ist, da die Bordwand sich ca. 70 cm über mir befindet.

 

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Anschließend fahre ich wieder zurück nach Koggala und bereite einen „Gutschein“ vor. Ich habe mit Herrn Chaminde gesprochen, dessen Geschäft ich ja wieder mit einer Ersthilfe-Spende angekurbelt habe. Er hat von dieser Spende viel Lebensmittel und landestypische Gebrauchsartikel eingekauft, und ich bin mir bei ihm sicher, dass er ein ehrlicher Geschäftsmann ist. Dies hat auch Ananda bestätigt. Also habe ich ihm vorgeschlagen, Gutscheine im Wert von jeweils 3.000 Rps. bei ihm zu kaufen, damit ich diese dann statt Bargeld an Arme und Hilfsbedürftige verteilen kann. Mit diesem Betrag kann eine Familie, je nach Größe und Bedarf, ca. 1 – 2 Monate Lebensmittel und Haushaltsartikel kaufen. Der Erwerb von Zigaretten, Alkohol und der Umtausch gegen Bargeld sind ausgeschlossen und zusätzlich bringe ich ein Verfallsdatum auf, da es ja eine Soforthilfe sein soll.  Herr Chaminde stimmt dem Vorhaben begeistert zu, und der von mir entworfene Gutschein gefällt ihm gut. Er bittet mich nur, den Namen des Geschäfts und die Adresse etwas größer zu gestalten. Den Gefallen tue ich ihm gerne, und dann erhält er von mir einen Ausdruck, den er in entsprechender Menge kopieren soll. Die Verteilung wird dann in den kommenden Tagen von mir mit Unterstützung von Herrn Kirthi vorgenommen, den wir mit eingebunden haben.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Vorsicht ist geboten

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Ich bereite noch schnell die Unterlagen für den morgigen Termin im Sekretariat mit Herrn Beier von Ceylon-Direkthilfe zum Erhalt der Baugenehmigung aus, und dann kommt schon das Auto, das wir bestellt haben, um die restliche noch vorhandene Kleidung zu verteilen. Wir haben uns den Küstenabschnitt zwischen Ahangama und Unawatuna ausgesucht, da hier viele metallverarbeitenden Geschäfte und Tankstellen existieren, die die von WSW gespendeten Arbeitsanzüge bestimmt gut gebrauchen können. Die "zivile" Kleidung werden wir dort auch unterbringen können, da ja gerade längs der Küste die Menschen wohnen, die alles verloren haben. Trotzdem muss man hier gut aufpassen, da es auch hier schon seit zwei Wochen die so genannten Mitglieder des "Donation Club of Sri Lanka" gibt, wie es die Einheimischen umschreiben. Dies sind Menschen, die freie und leere Strandabschnitte belegen, ein geliehenes Zelt aufbauen und dort mit möglichst vielen Kindern sitzen, die alle schlecht gekleidet sind und, wenn möglich, krank aussehen. Es soll sogar schon einen regelrechten Kindermietservice geben, der Transport und Bezahlung sowie Vertrieb der Waren regelt. Wie schon mehrfach festgestellt, helfen ist hier nicht einfach, man muss aufpassen, dass man die Richtigen trifft. Dies gelingt uns recht gut, da sich sowohl mein Schwager als auch Herr Kirthi hier sehr gut auskennen und außerdem am Dialekt hören, wer hier nicht hingehört.

 

 

 

Blumen und ein Schmetterling. Symbol der Trauer - oder Symbole der Hoffnung? Vielleicht beides. Erinnerungen an eine schöne Zeit, die jäh beendet wurde. Oder der Wunsch, es möge wieder so werden, wie es früher einmal war. Wer vermag das Leid der Kinderseelen zu erahnen, dass sich in wenigen Minuten am 26. Dezember 2004 zugetragen hat?

 

     

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Die Häuser werden "amtlich"

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Ich treffe Herrn Beier im Koggala Beach Hotel. Dort ist alles fertig aufgeräumt und der Blick über den Pool auf das Meer muss ich einfach fotografieren, da hier die Welt schon wieder sauber und in Ordnung ist. Die ersten Gäste, die als Touristen und nicht als Helfer nach Sri Lanka kommen, werden ab dem 08.02.05 erwartet, dann kommt auch die erste LTU Maschine aus Deutschland an. Ich treffe Herrn Beier und seinen Begleiter, Herrn Bimail noch beim Frühstück an. Wir sprechen über die allgemeine Situation in Sri Lanka und Herr Bimail erläutert uns diese in Bezug auf die kommende Wahl Anfang 2006 und die Neubesetzung der Ämter in den Kommunen. Im Anschluss fahren wir dann zu den von mir ausgesuchten Familien und ihren Grundstücken. Herr Bimail arbeitet seit 1994 mit und für Ceylon-Direkthilfe. Er stellt in Form eines von Ceylon-direkt mit ihm in Sri Lanka gegründeten Vereins die notwendige Landesbindung zum Einsatz der aus Deutschland bereit gestellten Mittel dar. Er wird auch die zukünftig notwendig werdenden weiteren Abstimmungen mit dem Sekretariat und mit den Baubehörden koordinieren sowie die gegebenen Bauplanungen mit einer bewährten Baufirma umsetzen. Diese wird Teile der Arbeite nach bewährter Art und Weise mit eigenen Handwerkern durchführen und für einige Gewerke örtliche Handwerker beauftragen. Wir fangen in Kabalane an und hören dann in Koggala-Habaraduwa auf. Alle Familien sind, wie mit mir vereinbart, inkl. der Kinder anwesend, und Herr Beier kann sich noch einen persönlichen Eindruck verschaffen. Nachdem wir den jeweiligen Familien noch einmal die offizielle Zusage seitens Ceylon-direkt von Herrn Beier durch Herrn Bimail in Landessprache gegeben haben, lassen wir überall strahlende Gesichter und dankbare Familien zurück. Herr Bimail hat aufgrund meiner Vorarbeiten wenig Arbeit mit der Datenaufnahme, da ich ihm alles Notwendige zur Verfügung stellen kann. Nur bei der Familie Chaminde gibt es ein Problem, da die Zuwegung zum Grundstück weggespült wurde und keine Fahrzeuge dorthin kommen können. Die drei Brüder werfen sofort ein, dass das kein Problem wäre, sie würden alle Materialien selbst dorthin tragen.

Um 12:00 Uhr treffen wir uns mit Herrn Kirthi auf dem Sekretariat wieder und nehmen die letzte amtliche Hürde vor dem Baubeginn in Angriff. Vor dem Sekretariat stehen Menschenschlangen, die sich Papiere und Dokumente bestätigen lassen.

Herr Samarasekara, der Sekretär, kommt mit einer Minute Verspätung aus einer Besprechung und hat alle Unterlagen vorbreitet, wie er es mir versprochen hatte. Auch die letzte notwendige Instanz zur Erteilung der Baugenehmigung von der behördlichen Seite in Galle ist von ihm eingeladen worden und steht sofort zur Verfügung. Die Dame fühlt sich anscheinend übergangen und "muss" sich noch einmal alle Grundstücke selbst ansehen, um die abschließende Freigabe zu erteilen. Es wird vereinbart, dass sie das mit Herrn Widane macht und dann in den nächsten Tagen die Genehmigung an Herrn Bimail faxt, damit dieser dann beginnen kann. Während der Besprechung wechselt die Teilnehmerzahl zwischen fünf und neun Personen. Der technische Ingenieur versucht verständlicherweise auch, den Fuß in die Tür zu bekommen und tauscht fleißig Handynummern aus. Die Besprechung dauert bis zur endgültigen Klärung aller notwendigen Punkte und Übergabe an Herrn Bimail gerade einmal 50 Minuten. Festgelegt wird hierbei auch, dass alle Familien sich nach ihren Möglichkeiten selbst am Hausbau beteiligen und so helfen, die Kosten zu senken. Dies habe ich auch im Vorfeld bei den ersten Begehungen den Familien von Herrn Kirthi so mitteilen lassen, so dass dieser Punkt schon geklärt ist. Um kurz vor 13:00 Uhr haben wir alles unter Dach und Fach, und jetzt liegt die Verantwortung für das weitere Vorgehen und den Bau der fünf Häuser bei Ceylon-direkt. Herr Bimail ist davon überzeugt, dass die ersten Bauarbeiten noch vor meiner Abreise am 16.02.05 beginnen werden. Ich sage ihm, dass mich das sehr freuen würde und bitte ihn, mich dann anzurufen, damit ich noch ein paar Bilder machen kann. Aus Sicherheitsgründen rate ich noch dazu, mit Herrn Chaminde anzufangen, damit dort wirklich nichts mehr schief gehen kann. Herr Beier und er sehen keine Probleme und wollen es versuchen. Dann verabschieden wir uns bis zum Abend voneinander.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Ruhe

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Am Abend kommen Herr und Frau Beier zusammen mit Herrn Bimail noch einmal zu Besuch, um das weitere Vorgehen in Bezug auf die Aktion der Stadt Remscheid "Remscheid hilft Sri Lanka" abzustimmen. Alle sind über die schöne Lage des Gewürzgartens am Koggala-See erstaunt. Sie kennen diese Gegend hier noch nicht und sind wirklich beeindruckt von der Schönheit der Landschaft. Ich sage Herrn Beier, dass es hier sehr ruhig ist, da kein lautes Meeresrauschen die Nachruhe stören kann, und sich hier eine Alternative zum Hotel Koggala-Beach bietet, da Christine und Ananda auch kleine Appartements vermieten. Er lacht und meint, er würde zukünftig darüber nachdenken. Nach einiger Zeit und angeregter Diskussion verabschieden wir uns dann voneinander, mit dem Vorsatz, uns in Deutschland wieder miteinander in Verbindung zu setzen. Ich persönlich freue mich heute sehr darüber, dass es mir möglich war, alles bisherige in nicht einmal drei Wochen umzusetzen.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Handwerker

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Den Nachmittag nutze ich zu einer Fahrt längs der Küste, um die drei Fischer an den Termin auf dem Amt zu erinnern und bringe auf diesem Weg den zwei Metallbetrieben die Feilen und übriges Werkzeug vorbei. Die Handwerker sind sehr überrascht, dass ich tatsächlich wieder gekommen bin und freuen sich sehr über das Werkzeug. Sie erklären mir, dass sie diese Qualität hier nicht so einfach kaufen könnten und gehen davon aus, dass sie das noch vererben können. Nachdem ich das Elektroschweißgerät gesehen habe, kann ich das fast glauben. Ich muss ihnen noch meine Adresse geben, damit sie mir schreiben können, wie es ihnen zukünftig weiter ergeht.

 

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Ich habe erfahren, dass einer der Schreiner, denen wir geholfen haben, sich jetzt eine Dreh- und Hobelbank kaufen konnte, jedoch Probleme mit der Arbeit bei seinen Kunden hat, da er mit dem Fahrrad die Bank natürlich nicht mitnehmen kann. Da ich noch eine Workmate hier stehen habe, bringe ich ihm diese zusammen mit Herrn Kirthi vorbei. Als wir ankommen und ihm die sehr handliche und leichte Workmate zeigen, ist er ganz begeistert. Das wäre genau das, was er braucht, sagt er und lacht froh. Dann müssen wir uns natürlich seine neue Maschine und seine "Werkstatt" ansehen. Die Freiluftschreinerei wirkt für uns natürlich sehr einfach, aber wir sehen einige Bettgestelle, die alle sehr filigran gearbeitet sind. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie der junge Mann auf seiner Werkbank diese geraden Möbelstücke herstellen kann. Auf meine Frage, wie er sich denn über Wasser hält, wenn er keine Aufträge hat, erhalte ich von ihm die Antwort: "Mit der Herstellung von Vorlegern". Als ich das nicht verstehe, holt er einen Knüpfrahmen und zeigt mir viele Plastiksäcke mit Stoffresten. Aus diesen werden dann Streifen geschnitten und daraus stellt seine Familie dann bunte Vorleger her. Diese werden als Bettvorleger, als Fußabtreter und als Bodenzierbelag in Autos und Tuk-Tuk's verwendet. Das bringt natürlich kaum Geld, aber es ist besser als nichts, sagt er. Irgendwie muss man in Sri Lanka eben immer improvisieren, um zu recht zu kommen. Was soll man dazu noch sagen? Mit den besten Wünschen an ihn und seine Familie fahren wir weiter.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Positive Aufregung

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Wir sind auf dem Weg zu dem Tempelgelände, auf dem die Schüler der zerstörten Schulen aus Ahangama untergebracht sind. Eigentlich wollten wir dies am vergangenen Dienstag erledigen, aber das haben wir nicht mehr geschafft. Als wir dort hin fahren, stellen wir fest, dass es trotz guter Ortskenntnisse nicht einfach ist, die Schüler zu finden. Wir wissen zwar, dass sich das Gelände auf einem Berg befindet, verfahren uns jedoch ein wenig aufgrund der Tatsache, dass die richtige Strasse dorthin eigentlich keine Strasse ist, sondern mehr ein Ackerweg mit Grasbewuchs in der Mitte. Ein Traktor wäre hier angebracht, mit dem Tuk-Tuk habe ich Probleme, ohne Aufzusetzen weiter zu kommen. Unterwegs sehen wir eine Frau in einem Sari und Herr Kirthi sagt, das ist bestimmt eine Lehrerin. Wir stoppen und fragen sie nach dem Weg zur Schule. Es ist tatsächlich eine Lehrerin, sie steigt zu uns ein und fährt wieder mit uns zurück, um uns zu helfen. Kurz darauf erreichen wir das Tempelgelände, das wirklich sehr abseits gelegen ist. Dort angekommen werden wir von lachenden und lärmenden Kindern begrüßt, für die wir eine willkommene, da fremde Abwechslung sind. Der Weg auf das Tempelgelände ist steil und wir kommen ganz schön ins Schwitzen, als wir nach und nach die zwanzig Kartons mit Papier und Schreibmaterial hinauftragen. Die Lehrerinnen finden dies amüsant und lächeln höflich. Ein LWK mit Kleidungsspenden von dem Elitekollege Colombo Nr. 7 ist auch hier. Diese beliefern allerdings die hier sich befindende Schule des Dorfes. Die Schuldirektorin begrüßt uns ebenfalls sehr freundlich, sie muss sich allerdings sofort wieder um ihre Schüler kümmern, da diese heute alle einen Schulrucksack erhalten, und die Verteilung für 740 Schüler ist sehr anstrengend. Wir bitten um ihre Erlaubnis, einige Bilder vom Schulbetrieb machen zu dürfen. Es ist unglaublich, dass sich auf diesem Gelände 740 Kinder befinden, die dazu gebracht werden, einen "normalen" Unterricht mit ihren Lehrerinnen abzuhalten. Dies teilweise unter offenem Himmel ohne Abdeckung. Deshalb sind die mitgebrachten Abdeckplanen mehr als willkommen. Eine Klasse, die mitten in der Sonne Unterricht hat, ist gerade zur Abkühlung in den nahe gelegenen Wald unterwegs. In der Mitte des Geländes erhebt sich beeindruckend und in strahlendem Weiß die Dagoba des Tempels. Normalerweise herrscht hier aufgrund der Bedeutung des Ortes absolute Ruhe, und es wird nur leise gesprochen. Momentan tobt hier jedoch so viel Leben, dass mein Begleiter, Herr Kirthi, sogar vergisst, seine Schuhe auszuziehen, als er über das Gelände der Dagoba geht. Als ihm das bewusst wird, ist er richtig erschrocken, so dass ich lachen muss. Eine Lehrerin zeigt uns noch freundlich das gesamte "Schulgelände", und ich fotografiere viele begeisterte Kinder, die alle auf ein Foto wollen. Da wir den Unterricht jetzt aber merklich stören, verabschieden wir uns schnell von alleine und machen uns mit einem nachdrücklich erhaltenen Dankeschön wieder auf den Weg.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Echte Hilfe, echte Freude

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Alle Familien sind glücklich und freuen sich über die Hilfe aus Deutschland. Das Land zu kennen, aus dem die Hilfe kommt, ist für alle sehr wichtig. Ich werde immer danach gefragt, wo ich denn herkomme. Sie finden es alle unglaublich, dass es Menschen so weit weg gibt, die sich die Mühe machen, Geld zu spenden, um ihnen hier zu helfen. Klar kennen sie Touristen, aber das ist für sie dann doch nicht direkt vergleichbar. Der Letzte, dem wir heute helfen, ist ein alter Eisenbahnmitarbeiter. Er hat 31 Jahre als Kontrolleur bei der Staatsbahn gearbeitet. Im letzten Jahr, erzählt er uns, ist er bei einem Schwarzfahrer schwach geworden, der Angst vor der relativ hohen Strafe hatte und ihm eine verzweifelte Geschichte erzählte, so dass er den Fehler machte, 20 Rps. "Bestechungsgeld" anzunehmen. Dies wurde von einem der übrigen Fahrgäste gemeldet, und ihm wurde gekündigt. Jetzt bekommt er nur eine Minimalrente, von der er kaum leben kann. Seine Tochter und sein Enkel leben bei ihm, der Ehemann wurde vom Tsunami getötet. Die Schicksale, die man hier erfährt, machen die Hilfe nicht unbedingt leichter, da sie, alles was man tut, relativ erscheinen lassen.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Abtauchen

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Es ist schon sehr ungewöhnlich, sich in einer Baustelle auf einen Tauchgang vorzubreiten. Aber trotzdem, auch hier braucht man Hilfe. Allerdings nicht in finanzieller Art, sondern in Form von Informationen für die Tauchgäste in Deutschland. Fragen wie:
► Hat sich die Unterwasserwelt negativ durch den Tsunami verändert?
► Sind Wracks von Sand überdeckt worden?
► Wie ist die Sicht unter Wasser ... · Etc. etc.,
Ich werde von einem der Eigentümer, Herrn Summith, gebeten, diese Informationen in das Internet in die entsprechenden Foren als Erlebnisbericht einzustellen. Vor dem Tauchgang lerne ich noch einen Holländer kennen, der mit tauchen will. Sein Ziel ist es, eine Sandprobe von draußen zu bekommen. Der gesamte Strand in Unawatuna hat stark unter dem Tsunami in Form von Abschwemmungen gelitten. Dies kann in den nächsten Monsunzeiten zu weiteren Verlusten von Strandflächen führen. Entsprechend wird überlegt, Sand von draußen an den Strand zu pumpen. Dies geht aber nur, wenn die Sandtypen identisch im Aufbau sind. Deshalb die Proben. Also fahren wir raus auf das Meer und gehen tauchen. Wir tauchen ab auf 25 Meter und finden alles so vor, wie ich es vom letzten Jahr in Erinnerung habe. Unzählige bunte Fische in allen Arten und Formen sind hier draußen an einem riesigen Felsenareal, das von 25 Meter Grundtiefe bis auf 10 Meter Tiefe aufragt. Leider habe ich keine Unterwasserkamera dabei, aber die Eindrücke bleiben bestimmt erhalten.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Entschuldigung, dass wir so arm sind ...

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Und überall treffen wir Menschen an, die trotzdem freundlich sind und sich freuen, dass sie Besuch erhalten und noch mehr darüber, dass dieser auch noch hilft. Alle sind sehr zurückhaltend und bescheiden. Man muss schon mehrfach nachfragen, um zu erfahren, dass jetzt hier 10 Menschen leben, weil das Haus der Schwester zerstört wurde, so dass deren gesamte Familie hier mit durchgebracht wird, da der Mann im Tsunami umkam. Und weil ihnen das unangenehm ist, dass sie so arm sind, erfährt man das alles von ihnen mit einem peinlichen Lächeln, nur die Schwester, deren Mann tot ist, bleibt ernst. Was mir hier persönlich hilft, sind die Kinder, wenn sie mich fröhlich lachend anschauen. Auf dem Rückweg kommen wir noch am Badebrunnen des Dorfes vorbei. Wie mir Herr Kirthi erklärt, werden die Baumaterialien und das Werkzeug von der Behörde zur Verfügung gestellt. Dann müssen alle männlichen Dorfbewohner Pflichtarbeit beim Bau leisten, so dass alle in persönlicher Verantwortung gegenüber dem Brunnen stehen. Damit dieser auch zukünftig sauber gehalten wird und somit zu Badezwecken zur Verfügung steht, übernimmt das Dorf durch entsprechende Pflichtarbeit die Verantwortung. So kann es keinen Streit geben.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Frankreich hilft

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Um 08:30 Uhr bekommen wir Besuch von Herrn Cader und dem Vizepräsidenten seiner Firma. Ich habe Herrn Haroun Cader bei dem Gespräch mit der Französischen Hilfsorganisation "Assosiation International Enfants de la Rue" A.I.D.E.R. kennen gelernt und ihm mitgeteilt, dass einige Schulen der Stadt Remscheid langfristige Partnerschaften mit Schulen in Sri Lanka suchen, dies alles unterstützt und begleitet von der Stadt Remscheid, die diese Hilfe koordinieren will. Von dort aus bin ich angesprochen worden mit der Bitte, wenn möglich, einen Kontakt in Sri Lanka herzustellen. Ich rechne also mit zwei Personen und bin doch zusammen mit Ananda sehr überrascht, als eine ganze Delegation erscheint. Alle Mitglieder der ROTARYAID, die eine Foundation mit dem langen Namen "Tsunami Desaster rebuild Sri Lankan Foundation" gegründet haben. Es sind fünf Geschäftsleute aus verschiedenen Gegenden von Sri Lanka, die sich gegenseitig dazu erklärt haben, dass sie alles Erdenkliche tun wollen, um ihren Landsleuten schnelle und unkomplizierte Hilfe zu verschaffen. Damit meinen sie, dass sie ihre Kontakte und Beziehungen uneigennützig dazu einsetzen wollen, um Hilfsprojekte von ausländischen Organisationen oder Privatpersonen umzusetzen, oder um diesen Projekte aufzuzeigen, also Management und Administration. Hierbei werden sie sowohl vom Gouverneur der südlichen Provinzen, also der politischen Seite, als auch von den NonGouvernementOrganisations von Colombo und Galle unterstützt. Ihr Zielgebiet sind die südlichen Provinzen. Ich bin überrascht, wie unkompliziert diese Männer sind, da jeder von ihnen alleine schon gewichtig genug für einen Termin wäre. Das Gespräch verläuft sehr interessant und angenehm. Sie haben konkrete Pläne eines Projektes von A.I.D.E.R. mitgebracht, die umgesetzt werden sollen und bei denen noch Geldgeber gesucht werden. Neu aufgebaut werden soll eine Schule in Liyanagoda für den Bereich Habaraduwa. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf ca. 7,5 Mio. Rps. pro Schulgebäude (60.000,-€) und weitere ca. 2 Mio. Rps.(16.000,-€) für die Einrichtungen der Schulklassen. Gebäude Nummer 1 wird von den Franzosen bezahlt, für Gebäude Nummer 2 fehlen noch die Gelder, teilen sie mir mit. Ansonsten könnten sie aber auch jedes andere gewünschte Projekt umsetzen. Auf eine Schule bezogen, auf mehrere Schulen verteilt oder ähnliches. Herr Nalzer Cadet bringt es freundlich lächelnd auf den Punkt: "All you will do, we can do it for you!" Ich bedanke mich recht herzlich bei ihnen und bekomme Herrn Haroun Cader als Ansprechpartner benannt. Danach gibt's noch das notwendige und übliche Gruppenfoto und schon fahren die Herren weiter zum nächsten Termin. Trotzdem hat alles zusammen fast zwei Stunden gedauert.

 

 

 

Hoffen wir, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Welt wieder positiv gesehen, das Leben befreit ist von allgegenwärtigen schrecklichen Erinnerungen und die Angst weicht, das Ganze könne sich eines Tages wiederholen. Denn die Stände, das Meer sind und bleiben nun einmal der Raum, in dem diese Menschen leben müssen. Sri Lanka ist eine Insel, das Meer ist Teil des ganz alltäglichen Lebens.

 

   

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Katastrophal

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Danach geht es direkt weiter, wir fahren nach Telwate (dort wo der Zug vom Tsunami getroffen wurde) und besuchen dort einige Familien. Die Fahrt dorthin ist schon deprimierend. Heute ist das Unglück sieben Wochen her und hier sieht es aus, als ob es gestern gewesen wäre. Wir erfahren, dass sieben Wochen lang schon aufgeräumt wird, aber durch den Weggang der Amerikaner kein schweres Gerät vor Ort war. Der Tsunami ist hier 1,5 KM weit in das Landesinnere vorgedrungen. Man sieht das Meer jetzt von Stellen aus, an denen nie jemand etwas anderes sehen konnte als Palmen und Häuser. Die Zerstörung ist hier katastrophal. Wesentlich schlimmer als in Habaraduwa und in Galle. Wir fahren Kilometer an der Küste längs und sehen dort kein Haus mehr stehen. Dafür aber Zelte soweit das Auge reicht. Reklametafeln lassen das Ganze unwirklich erscheinen.

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Dann fahren wir über die Bahngleise weiter in das Inland. Ich erfahre, dass der Zug zu einem Massengrab wurde (1500 Tote), da er mitten zwischen den Menschen des Ortes und der Welle stand und keiner weglaufen konnte. Alle sind am Zug stecken geblieben und unter ihm oder in ihm und auf ihm ertrunken. Nach ca. 1 Kilometer halten wir an einem Haus an, und Ananda stellt sich vor die Wand, an der die Wasserhöhe noch gut zu sehen ist, die hier noch geherrscht hat. Aufgrund des mitgeführten Erdreichs und des Schlamms konnte in dem Wasser keiner schwimmen. Alle, die nicht auf die Häuser oder Palmen gekommen sind, wurden getötet. Wir sprechen mit den Bewohnern, die mittlerweile wieder zurückgekommen sind, nachdem sie ihre Angst überwunden haben. Ja, sie haben alle Verluste, die sie erlitten haben, schon vor vier Wochen dem Amt in Galle schriftlich angezeigt. Aber bisher ist hier hinten noch niemand hingekommen. Geholfen haben sie sich bisher selber.

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Alles verloren

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Wir besichtigen noch drei weitere Häuser von Familien, die mein Schwager kennt und von denen wir wissen, dass sie unbedingt Hilfe brauchen. Hier gibt es keine Probleme mit der 100-Meter Zone, und die Häuser können teilweise noch restauriert werden. Einige sind unterspült und müssen dringend abgestützt werden, andere habe nur noch drei Wände, aber alle haben eins gemeinsam, es gibt Innen nichts mehr, was noch intakt ist. Ich verspreche, die Informationen an die Stadt Remscheid weiter zu geben und zu versuchen, hier noch Spenden für den Wiederaufbau zu bekommen. Wir verteilen mitgebrachte Lebensmittelpakete und Wäschepakete und sehen, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber trotzdem fühlen wir uns gut dabei.

 

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Bevor wir abfahren, treffen wir noch einen Mitarbeiter der einheimischen Hilfsorganisation aus Peraliya, einem Nachbardorf von Telwatte. Dort sind 3.000 Menschen gestorben und 80% aller Gebäude zerstört, 450 Familien haben kein Zuhause mehr. Auch Herr Ramitha da Silva hat alles verloren und trauert um Familienmitglieder. Das Erlebte hat ihn dazu gebracht, dass er sich sofort als Sanitäter bzw. Ersthelfer ausbilden ließ, um nicht noch einmal hilflos daneben stehen zu müssen, wenn Menschen gerettet werden könnten, wenn man weiß, was zu tun ist. Dies hat mich sehr stark beeindruckt und betroffen gemacht. Wir geben ihm noch Lebensmittel und ein Zelt, dann fahren wir wieder nach Hause zurück.

10x10-gelb.jpg (652 Byte) In letzter Minute

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Heute bezahlen wir den Restbetrag für den Zaun und finden uns hierfür auf dem Sekretariat ein. Unplanmäßig lande ich dann wieder in einer Diskussion zum Thema Hausbau mit Ceylon-direkt. Ein weiterer Mitarbeiter der Baubehörde in Galle ist anwesend, der wieder versucht, den Hausbau so zu verändern, dass alle Häuser auf Betonstelzen von drei Metern Höhe gesetzt werden. Dies würde den Kostenrahmen absolut sprengen und macht auch keinen Sinn, da die Bewohner dies gar nicht wollen. Nach langer Diskussion gibt er schließlich auf und erteilt die Baugenehmigung.

 

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10x10-gelb.jpg (652 Byte) Gemalte Erinnerungen

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Jetzt können wir endlich die Bezahlung des Zauns regeln, und ich werde angenehm überrascht. Der Ingenieur teilt mir mit, dass der Bau des Zauns nicht so teuer geworden sei wie kalkuliert. Wir sparen fast 400,-€. Ich freue mich, denn wir können noch Geld für Baumaterial in Telwatte gebrauchen. Nach Abschluss der Formalitäten werde ich noch einmal zur Schule geführt, um dort Bilder von den Schülern, der Schule und dem Zaun zu machen. Am Zaun hängt ein großes Tuch, auf dem sich die Schule bei allen Helfern bedankt. In dem Gespräch mit den Lehrerinnen erzählen mir diese, dass sie gerade versuchen, mit den Kindern den Tsunami aufzuarbeiten, indem die Kinder das von ihnen Erlebte malen. Ich bitte sie darum, mir einige Bilder zu zeigen und fotografiere sie sofort, denn sie sind wirklich gut gezeichnet und drücken viele Empfindungen aus. [Anmerkungen: es sind die großen Bilder, die sie zwischen diesen Texten gesehen haben.]

 

10x10-gelb.jpg (652 Byte) Denn ich bin froh ...

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Heute heißt es Koffer packen und Abschied nehmen. Um22:00 Uhr muss ich nach Colombo abfahren, da der Flug auf morgen um 04:40 Uhr festgelegt ist. Hier muss man drei Stunden vorher am Flughafen sein, und die Fahrt nach Colombo ist auch nachts immer noch ein vier bis fünf Stunden dauerndes Abenteuer. Dann geht es sehr schnell bis zum Abend. Es kommen noch viele Freunde und Familienmitglieder und verabschieden mich. Das macht den Abschied noch etwas schwerer, aber die Freude auf zu Hause überwiegt jetzt doch, denn ich bin froh, wenn ich meine Frau und meine Kinder wieder sehen kann, die ich die ganze Zeit sehr vermisst habe.

 

Ende Teil 2

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Teil 1 des Berichts
Fotoserie
     
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